Kolonialstädte, Teil 2

Nach 11 Tagen in San Luis Potosi bei Robert, Lois und Audrey hatte sich unser Spanisch deutlich verbessert, unser Bremach hatte frisches Öl und die Fahrerkabine erstrahlte dank neuem Lack in frischem Glanz. Und wir haben für Roberts Englischstudenten an der Universität unseren ersten Vortrag über unsere Reise durch die USA und Kanada gehalten. Robert und Lois hatten noch eine kleine Party für uns organisiert und so konnten wir unser neu erlerntes Spanisch testen. Vielen Dank, dass wir so lange bei euch bleiben durften!

Bildergalerie San Luis Potosi:

Nach San Luis Potosi ging es weiter nach Guanajuato, einer Silberminenstadt, die über Jahrzehnte die reichste Stadt Mexikos war. Da wir gelegentlich die Erfahrung gemacht haben, dass uns unser GPS auf ziemlich schlechte Straßen schickt dachten wir uns diesmal, dass wir lieber den Schildern nachfahren – ein Fehler, der uns 50km Umweg kostete. Na ja, immerhin ging es über eine kleine Nebenstraße durch eine wunderschöne Landschaft und am Ende waren wir auch am Ziel. Kaum in Guanajuato angekommen wurden wir von einem Stadtführer aufgehalten, mit dem Hinweis, wir seien zu groß für die Stadt. Er erklärte uns eine alternative Route zum Campingplatz, die sich jedoch als völlig falsch herausstellte, nicht zuletzt auch deshalb, da der Führer gar nicht wusste, wo der Campingplatz war. Notabene hätte er uns natürlich gegen ein kleines Entgelt zum Platz geführt. Wir drehten also um, fuhren um die Ecke und folgten wieder dem GPS und fanden alles ohne Probleme. Bei unserer Abreise aus Guanajuato stellten wir fest, dass uns dieser Führer etwas wirres Zeug erzählt hatte, wir kamen nämlich den Weg raus, den wir rein wollten. Von wegen zu groß…

Auf dem Campingplatz sahen wir sofort einen Landcruiser aus der Schweiz und ein Wohnmobil aus Kalifornien, aus dem die Deutschen Michael und Jeanette herauskamen. Die Schweizer reisten am nächsten Tag ab und dafür kamen Kaspar und Bigi aus Solothurn mit ihrem riesigen MAN-Expeditionsmobil. Wir hatten zusammen eine sehr tolle Zeit auf dem Campingplatz und tauschen Tipps und Informationen aus. Der Campingplatz ist wunderschön auf einer Terrasse mit Blick über die Stadt gelegen, hier lässt es sich aushalten. Zur Begrüßung gab es am Sonntagabend ein großes Feuerwerk und als ein großes Gewitter durchzog, konnten wir den Blitzen zuschauen.

Guanajuato liegt in mehreren engen Tälern, die durch Hügel getrennt sind. An diesen Hügeln kleben zahllose bunte Häuser, sie stehen fast aufeinander. Dazwischen ziehen steile, enge Gassen und teilweise endlose Treppen hoch und runter. Es gibt immer wieder schöne Plätze mit alten Bäumen und Cafes, schöne Kirchen und viele Brunnen. In der Stadt war endlich mal richtig viel Leben zu spüren, nachdem wir immer das Gefühl hatten, dass nichts los ist. Die Stadt strahlte eine wunderbare Atmosphäre aus und wir genossen es, durch die Gassen und über die Plätze zu schlendern. Der nahende Tag der Toten machte sich dadurch deutlich, dass überall Skelette an Bäumen hingen und überhaupt, alles sehr Totenkopflastig wurde. Allerdings auf eine nette Art und Weise, es wirkte nie übertrieben oder gar störend. Der größte Teil des Verkehrs wird unterirdisch durch alte Silberminen oder einen alten, unterirdischen Flusslauf geführt, so dass nicht zu viel Verkehr sichtbar ist. Auch der Weg vom Campingplatz zur Innenstadt führte durch einen der langen Tunnels.

Neben den vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt kamen wir in den Genuss, den Zieleinlauf der Carrera Panamericana miterleben zu dürfen. Das war toll, so viele alte Rennautos in dieser historischen Atmosphäre zu sehen, die passten hier richtig gut hin. Robert durfte sogar in einen alten Rennporsche sitzen und hat promt die Hupe gefunden. Nach einigen schönen Tagen fuhren wir weiter, zuerst entlang der noch aktiven Silberminen und dann weiter durch die grüne Hochebene nach San Miguel de Allende.

Bildergalerie Guanajuato:

San Miguel de Allende hat einen vorauseilenden Ruf als wunderschöne Stadt, wobei sich die Mexikaner darüber streiten, ob nicht Guanajuato schöner ist. Zumindest der Campingplatz ist näher am Zentrum und die Stadt unterscheidet sich durch einen etwas anderen Baustil und weniger steile Gassen deutlich von den anderen Städten. Der Campingplatz in San Miguel ist als Treffpunkt für Reisende aus aller Welt bekannt und auch wir trafen hier einige andere – Uli und Barbara, die seit einigen Jahren entlang der Panamericana unterwegs sind, Bärbel und Joachim aus dem Heilbronner Raum, das hier seit über vier Jahren Reisepause machen, einige Australier und noch mehr. Wir hätten niemals erwartet, dass so viele Rentnerpärchen auf großer Reise sind und ihr Ansatz gefällt uns: sie verbringen oft einige Monate unterwegs und stellen dann ihr Gefährt für ein paar Monate im Ausland unter, während sie Familie und Freunde in der Heimat besuchen.
In San Miguel wohnen sehr viele Auswanderer aus den USA und man kommt sich stellenweise vor wie in den USA, vor allem der Hauptplatz ist von amerikanischen Ruheständlern besetzt. Lediglich die Umgebung passt nicht so ganz und es gibt noch viele Plätze und Märkte, an denen alles sehr ursprünglich ist. San Miguel ist dadurch sehr fein herausgeputzt, es gibt viele Läden in denen man mexikanisches Handwerk zu ans Klientel angepassten Preisen kaufen kann und auch hier viele schöne (aber teure) Cafes und Restaurants.

Bildergalerie San Miguel de Allende:

Zum Tag der Toten, den Dias de los Muertos, wurde der gesamte Hauptplatz mit vielen Altären bestückt und überall in den Türen und Fenstern gab es Altäre zu sehen. Das Fest läuft so ab, dass am ersten November ein Altar aufgebaut wird, der zum Gedenken an die verstorbenen Angehörigen mit deren Lieblingsessen und Getränken bestückt wird. Bilder und Berichte runden das Bild ab. Nach einer Nachtwache am Altar zieht man zum Grab und bringt die Gaben mit, um sie dann dort auf dem Friedhof zu verzehren, mit Begleitung der ganzen Familie und Mariachis zur Unterhaltung. Die Stimmung erschien und feierlich, aber auch fröhlich und heiter – man gedenkt den schönen Stunden, die man mit seinen Freunden und Verwandten haben durfte. Ein schöner Brauch, wie wir finden und etwas ganz anderes wie die ruhige, pietätsvolle Trauer, die bei uns gelebt wird.

Bildergalerie zum Dia des los Muertos:


Video:

Während vor allem in der Stadt viele wild verkleidete amerikanische Rentner umherzogen, war der Friedhof fest in mexikanischer Hand, so tief schaffen es auch die Auswanderer nicht, die einheimische Kultur zu verändern. Wir fanden San Miguel auch sehr schön, allerdings war Guanajuato deutlich authentischer und die Atmosphäre hatte etwas ganz besonderes. Nach so viel Stadt- und Kulturerlebnis wird es nun wieder Zeit, etwas in die Natur zu fahren. Darüber erfahrt ihr dann in unserem nächsten Bericht mehr.

Hier ist eine große Bildergalerie mit Privatbildern von unseren Besuchen der Kolonialstädte.

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