Rund um den Äquator in Ecuador

Gleich nach der Grenze verließen wir die Panamerikana, um auf einer einsamen Piste durch den Paramo zu fahren. In der Umgebung des Naturreservates „El Angel“ gibt es großflächigen Bewuchs durch die Frailejones, Pflanzen, die wir bereits in den Hochlagen Kolumbiens sahen. Eine kaum befahrene Piste führte uns mitten in dieses Gebiet und durch eine bizarre Landschaft. Eine kleine Wanderung auf einen hochgelegenen Aussichtspunkt belohnte mit einer tollen Aussicht auf den Paramo und Bergseen. Leider bemerkten wir hier bereits, was uns die ganze Zeit über verfolgen sollte – in Ecuador ist Regenzeit und sämtliche Berggipfel verhüllen sich die meiste Zeit in dunklen Wolken.

Abends erreichten wir den Campingplatz „Sommerwind“ in Ibarra, der von den deutschen Auswanderern Patricia und Hans-Jörg sowie ihrer Tochter toll geführt wird. Hier erledigten wir einiges am Auto, bekamen von Martin, einem Reisenden aus Argentinien, einen neuen Dachgepäckträger geschweißt (der alte war voller Risse) und wir trafen andere Reisende. Hans-Jörg bietet eine Tour durch die heißen, schwülen und moskitoreichen Mangroven an der Grenze zu Kolumbien an, ein sehr armes und völlig untouristisches Gebiet. Zusammen mit Natascha und Michi aus der Schweiz fuhren wir in Hans-Jörgs Pickup rasant an die Küste und entdeckten auf einer Tagestour mit einem kleinen Bötchen einsame Fischerdörfer, Kokosfarmen und Panelaproduzenten. Ein Abstecher brachte uns tief in einen Mangrovenwald der voller roter Krebse war. Andere Tiere gab es nicht zu sehen, die Speisekarte der Einheimischen macht ein Überleben in dieser Gegend alles andere als einfach. Wir ernährten uns von köstlichen Fischgerichten und bekamen tolle Eindrücke vom harten Leben in dieser vergessenen Gegend.

Die autobahnähnlich ausgebaute Panamerikana führte uns über den Äquator nach Quito, wo wir unserem Bremach mal etwas gönnen wollten. Die IVECO-Werkstatt sollte nach dem Rechten schauen. Leider versagte die Werkstatt völlig, nach drei Stunden waren sie in der Lage, uns zu sagen, dass sie weder Luft- noch Ölfilter besorgen können. Da war das Öl natürlich schon draußen und so kam der alte Filter wieder rein. Da dieser Spaß auch noch unverhältnismäßig teuer war können wir jeden Reisenden vor dieser Werkstatt nur warnen. Jeder Mechaniker am Straßenrand hatte bisher bessere und kompetentere Arbeit geleistet.
Wir bezogen in San Rafael Quartier, eine gute Freundin Tanjas hatte uns mit Familie Pozo in Verbindung gebracht. Sie wollen in absehbarer Zeit einen Campingplatz eröffnen (weitere Infos auf unserer Campingplatzliste) und wir waren ihre ersten Gäste und halfen ihnen mit ein paar Tipps, diesen Plan weiterzuverfolgen. Der große Garten mit zahlreichen Obstbäumen, einem großen Pizzaofen und die gute Lage an der Bushaltestelle bieten viel Potenzial und wir hoffen, dass die Pozos mit ihrer Idee Erfolg haben werden. Wir wurden von ihnen herzlich empfangen und in den folgenden Tagen in und um Quito herumgeführt. Unter anderem besuchten wir eine Karfreitagsprozession, Quito bei Tag und Nacht, den großen Sonntagsmarkt in Sangolqui und Fernandos Arbeitsplatz, die Brennerei des leckeren „Mitad-del-Mundo“. Außerdem nutzen wir die Nähe zur Großstadt und werteten unseren BREMACH mit einem starken Solarpanel auf. Carlas Geburtstag feierten wir mit einer großen Torte und sie konnte ihr neues Fahrrad im großen Garten gleich ausgiebig testen. An Ostern versteckten wir ein paar Eier für die Kinder und sie durften um den Bremach herum nach Gaben vom Osterhasen suchen. Als Ostermenü verspeisten wir dann des Hasens Kollegen aus dem Streichelzoo, ein fein gegrilltes Meerschweinchen.

Nach einer schönen Woche mit der Familie Pozo verabschiedeten wir uns schweren Herzens und fuhren weiter zum Cotopaxi, um etwas von den hohen Bergen zu sehen. Leider war es dort oben kalt, nass und neblig, selbst eine frühmorgendliche Wanderung auf den Rumihaui führte zu keiner besseren Aussicht. Auf ca. 4700m kehrte ich um, aufgrund dichten Nebels, Regens und eines Sturms hatte ich keine Ahnung, ob ich auf dem Gipfel war oder nicht. Immerhin ging es überall runter und es fühlte sich nach einem Gipfel an. Für uns gab es sonst in dem Park nicht viel zu tun. Der Cotopaxi ist stark vergletschert und somit nur in einer Seilschaft zu besteigen. Leider kann man sich nicht einfach einer Gruppe anschließen, da Ausländer seit 2012 nur noch in Begleitung eines Bergführers auf den Gipfel dürfen. Diese schlagen daraus natürlich Kapital und fühlen sich auf alpinem Preisniveau wohl. Hintergrund ist, dass am Cayambe ein paar bergsteigerisch unerfahrene Asiaten auf den Gletscher spazierten und sich dieser von seiner harten Seite zeigte. Seither dürfen die Gletscher in Ecuador nur noch mit Führer betreten werden, wobei mir einer der Führer auch zuflüsterte, dass Anstiege abseits der Normalwege nach wie vor Abseits jeglicher Kontrollen liegen. Bei der Einfahrt in den Park wurde ich doch angewiesen, sämtliche Gletscherausrüstung beim Wärter zu lassen. Natürlich hatten wir kein Material im Auto ;-)
Im Dauerregen verließen wir den Park und fuhren zum Vulkan Chimborazo, dem höchsten Berg Ecuadors. Auch hier gab es leider nicht viel Gipfel zu sehen, aber immerhin eine tolle Vulkanlandschaft. Und einige Höhenrekorde stellten wir auch auf: höchste (und kälteste) Nacht auf 4400m (bei 4°C im Auto), höchster Parkplatz auf 4845m und unsere erste Familienwanderung auf 5008m Höhe. Einzig eine bessere Aussicht hat gefehlt, ansonsten ging es allen gut und wir haben einen weiteren Ausflug in große Höhen gut vertragen. Das sind gute Zeichen für die Weiterfahrt durch die Anden. Lediglich unsere Standheizung verträgt Höhen über 3800m nicht, doch zum Glück haben wir genügend warme Schlafsäcke dabei.

Zum Abschied bescherte uns der Chimborazo noch einen gerissenen Handbremszug und damit auch die erste Nacht in einer Werkstatt in der nahegelegenen Großstadt Riobamba, wo wir zur Freude der Kinder direkt neben einem Jahrmarkt gelandet sind (unsere lauteste Nacht bisher). Immerhin steckte der Vulkan auf der Fahrt dorthin kurz seinen Gipfel aus den Wolken und zeigte sich von seiner besten Seite. Definitiv ein Ziel für einen späteren Besuch. Mit neuen Bremszügen können wir uns nun unseren letzten Zielen in Ecuador widmen, bevor es in die peruanischen Anden geht.

Unsere Privatbilder gibt es hier.

One Thought on “Rund um den Äquator in Ecuador

  1. Andreas PEISSER on Montag, der 12. Mai 2014 at 22:45 said:

    Den bildern nach koennte man nicht glauben, dass ihr auf die schnelle das weite gesucht habt, das wetter traegt sicher dazu bei. Ein sehr schoener bericht, weiter so.

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