Tikal und Finca Ixobel

Der Grenzübergang von Belize nach Guatemala verlief recht unspektakulär. Max kümmerte sich um den ganzen Papierkram und brachte ab und zu Unterlagen zum Bremach zurück, die meine Unterschrift erforderten. Die Kinder und ich haben das Fahrzeug nicht verlassen müssen und konnten zur Freude der beiden Kleinen die ganze Zeit laut Weihnachtsmusik hören. Hinter der Grenze haben wir gleich die guatemaltekische Küche probiert (sehr lecker) und sind zu den Ruinen von Tikal gefahren. Eine nach 15.30 Uhr gelöste Eintrittskarte gilt auch für den nächsten Tag und so haben wir vor den Toren noch gemütlich einen Kaffee getrunken und mit anderen Reisenden geredet bevor wir durch den Dschungel zum Campingplatz neben dem Besucherzentrum fuhren. Die Geschwindigkeit der Fahrzeuge wird auf der Strecke kontrolliert, indem man am Anfang einen Zettel bekommt, auf dem die Zeit steht zu der man am anderen Ende der Straße ankommen darf. Ein sehr simples und effektives System!

Nachmittags freuten wir uns über etwas trockeneres Wetter, da der Bremach innen und außen endlich trocken werden musste. Ich hatte in Belize zusätzlich für eine Bierüberschwemmung gesorgt, weil ich den Karton mit den Glasflaschen hochkant gelagert hatte, was auf der holprigen Piste zu einem gehörigen Scherbenhaufen führte. Glücklicherweise hat die Bierflut hauptsächlich unsere dreckige Wäsche erwischt, aber Carlas Teddybär hat auch geholfen einige Promille aufzusaugen. In Tikal haben wir eine Plane übers Dach gespannt, so dass der Zeltstoff nicht mehr nass wird und völlig austrocknen kann. Das hat tatsächlich auch gut geholfen, so dass wir auch sich anbahnenden Schimmel sofort in den Griff bekommen haben. Unglaublich, wie viel Ärger einige (viele!) Tage Regen anrichten können.

Neben etwas besserem Wetter stimmte uns auch eine Gruppe von 16/17jährigen Guatemalteken positiv aufs Land ein. Sie zelteten neben uns und konnten überraschend gut Englisch. Wir haben uns noch bis spät in der Nacht über das Reisen unterhalten und die Jungs berichteten offen über die positiven und negativen Seiten Guatemalas. Am nächsten Morgen kam uns eine Familie Nasenbären besuchen, die eifrig auf der Suche nach Essbarem waren. Sie waren gar nicht schüchtern und haben es sogar gewagt, ein Stück Brot aus der Kraxe zu klauen, was Carla gar nicht lustig fand. Max hat dem Dieb mit einem mehr oder weniger sanften Fußtritt den Weg zurück in den Wald gezeigt.

Für unsere Besichtigung der Ruinen hatten wir endlich mal wieder gutes Wetter und haben uns aus lauter Euphorie sogar einen englischsprachigen Führer geleistet. Dies stellte sich als hervorragende Idee raus, weil Hector uns nicht nur viel über Tikal erzählen konnte und all unsere angestauten Maya Fragen geduldig beantwortete, sondern uns auch diverse interessante Pflanzen im Regenwald zeigte und deren Gebrauch als Heilmittel erklärte. Auf der über vierstündigen Tour haben wir knapp 9km zurückgelegt und einen Großteil der Ruinen gesehen. Die Gebäude sind in einem Zeitraum von 800 Jahren erbaut worden und unterscheiden sich zum Teil sehr. Besonders die bis zu 64m hohen Tempel sind wirklich eindrucksvoll und dank der Weitläufigkeit der Anlage lässt es sich auch leicht vergessen, dass hier jährlich ca. 250.000 Touristen aufkreuzen. Im Gegensatz zu allen anderen von uns besuchten Ruinen, kann man nur einen einzigen Tempel – immerhin den höchsten Tempel IV- auf einer Holztreppe erklimmen und hat von dort aus eine ausgezeichnete Aussicht. Die anderen Tempel mussten leider gesperrt werden um zu verhindern, dass, wie bisher, jährlich ein bis zwei ungeschickte Touristen bei der Besteigung zu Tode fielen.

Dank Hector wissen wir nun, wie grausam die Maya waren. Bei jedem (!) Ballspiel wurde der Kapitän der unterlegenen Mannschaft umgebracht, bei besonderen Spielen oft auch gleich die ganze Mannschaft – man stelle sich dies mal in der heutigen Zeit beim Fußball vor. Das Ballspiel war ein Privileg der Oberschicht, bei dem ohne Zuhilfenahme der Hände, Arme und Füße und ohne Fallenlassen ein Ball in einen Korb geworfen werden musste. Die nach dem Spiel geopferten Personen waren damals für ihr Schicksal dankbar, da dies hieß dass sie die 9 Stufen im Jenseits überspringen und direkt zur höchsten Daseinsform aufsteigen konnten. Aus demselben Grund haben sich auch viele Menschen freiwillig vor Tempeln opfern lassen. Dies bedeutete, dass ihnen bei lebendigem Leibe die Brust aufgeschnitten wurde, damit man das schlagende Herz sehen kann. Selbst der König musste leiden und bei besonderen Ereignissen Aderlass leisten oder sich den Stachel einer Roche durch die Zunge stechen, um im Schmerz zu höheren Bewusstseinsebenen zu gelangen.
Hier sind unsere Privatbilder von Tikal.

Nach diesem ausgezeichnetem Abschluss unserer Besichtigungen von Maya Ruinen haben wir uns ein paar Tage Pause gegönnt. Pünktlich zur Weihnachtszeit haben wir nahe Poptun bei der Finca Ixobel einen ausgezeichneten Ort dafür gefunden: großer Badeteich, Spielplatz, schöner Stellplatz in der großzügigen Anlage, WiFi und leckeres Essen. Morgens gab es je nach Wunsch Pfannkuchen, Omlette oder Eier, mittags frisch gebackenes Brot und Zimtschnecken aus der hauseigenen Backstube und abends ein großes Abendessen mit Salaten, diversem Gemüse und zwei verschiedenen Hauptgerichten. Wir haben sowohl das gute Essen genossen, als auch nicht selbst kochen und abspülen zu müssen! Das Beste kam aber zu Schluss, wenn die Kinder im Bett waren. Da machte die Bar auf und wir konnten für umgerechnet ca. 2 Euro pro Glas genüsslich Cocktails schlürfen. Zu unserer Überraschung war richtig viel los, da viele Leute vom Dorf zum Feiern herkamen. Die Latinos haben den Rhythmus im Blut und den Hüftschwung so gut gemeistert, dass wir uns nicht zu ihnen auf die Tanzfläche gewagt haben.

Da wir unser Weihnachtsessen selbst zubereiten wollten, sind wir am 23sten ins nahegelegene Poptun gefahren. Einkaufen in Guatemala war nochmal ein anderes Erlebnis als in Mexiko, da man (zumindest in Poptun) so ziemlich alles auf dem Markt einkaufen muss. Das macht Spaß, sobald man sich zurechtgefunden hat. Es gab unzählige Stände mit einem reichen Angebot an Knallern, welche hier zur Weihnachtszeit ununterbrochen gezündet werden. In einem kleinen Eckladen konnten wir auch noch ein paar für hier nicht so übliche Produkte wie Milch, Käse, Saft, Plätzchen und sogar eine Flasche Wein ergattern. Letztere hatte einen für uns inzwischen Wucherpreis von 7,50 Euro, aber zu Weihnachten muss man sich ja mal was gönnen.

Und wie war unser Weihnachten? Dank Internet wurden wir mit den Skypegesprächen und Emails mittags auf das Fest eingestimmt. Danach gab es draußen selbstgemachtes Popcorn für die Kinder während wir den Bremach fertig dekorierten. Der ‚Berg‘ an Geschenken war fast so groß wie unser dekorierter Zweig eines Laubbaums, was die Kinderaugen noch größer hat leuchten lassen. Bei Plätzchen und Weihnachtsmusik haben die Kinder alles ausgepackt: Bücher, Lego, Domino, Wasserfarben und noch ein paar Kleinigkeiten. Max und ich haben dieses Jahr auf Geschenke verzichtet. Während die Kinder ins neue Spielzeug vertieft waren, haben wir das Abendessen zubereitet. Es gab spontan nach dem Markteinkauf zusammengestellt folgendes Menu: Rindfleischstückchen in Paprika-Tomaten-Sauce mit Kochbananen und als Krönung zum Nachtisch Schokocreme aus der Schweiz (dafür an dieser Stelle ein großer Dank an die Gloors für dieses Geschenk) mit frischen Erdbeeren. Die Kinder haben danach im Bremach getobt und Luftballons knallen lassen während es draußen wie in Strömen regnete. Wir sind abends natürlich noch an die Bar gegangen – es war für uns beide das erste Mal, dass wir am Weihnachtabend noch aus waren! Dort wurden wir sogleich in den Spieleabend einer guatemaltekischen Großfamilie integriert, die wir schon nachmittags beim Baden kennengelernt hatten. Bei Domino, Dart und Kartenspielen haben wir es uns mit einigen Cocktails bis in die Morgenstunden gut gehen lassen. Es kam an dem Tag zwar keine richtige Weihnachtsstimmung auf, auf schön war es trotzdem, insbesondere für Carla und Robert. In der privaten Bildergalerie gibt es ganz viele Bilder davon.

Gestärkt von der Reisepause haben wir uns nach 6 Tagen wieder auf den Weg gemacht und sind nun in Rio Dulce. Guatemala entwickelt sich für uns zum richtigen Partyland, denn nun steht der Bremach nur wenige Meter von der Bar entfernt und ihr könnt euch vorstellen, wo wir den Abend verbringen…

2 Thoughts on “Tikal und Finca Ixobel

  1. Hope you had a great christmas and New Year, I’m Oscar the guatemalan teen from your first night at tikal! I wish you a great trip

  2. Happy new year Tanja, Max and children aus dem Föhn geplagten Hasli.

    Besten Dank für Eure Festagswünsche.
    Mich zieht es auch wieder in die Welt.
    Habe gekündigt, nach wiederkehrenden Differenzen mit wem?
    Werde als Freelancer für verschiedene Firmen arbeiten.

    Wünsche euch viel schöne Stunden auf Eurer Reise, gute Gesundheit
    und alles, alles Gute im 2014.

    Urs

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