Teotihuacan

Nachdem wir uns in den vergangenen Wochen mit so viel Kolonialkultur umgeben hatten war es Zeit für etwas anderes. Was ist da passender, als Kulturgut aus Inkazeiten? Die Ruinen von Teotihuacan sind dazu hervorragend geeignet. Riesengroß – die Piramide del Sol ist die zweitgrößte Pyramide der Erde – gut erreichbar und zufällig genau an unserer Route. Bereits bei der Anreise sahen wir von der Autobahn aus, deren Belag vermutlich auch aus der Inkazeit stammt, die großen Pyramiden aus der Landschaft ragen. Es ist gar nicht so einfach diese als solche zu erkennen, weil sie den umgebenden Vulkankegeln sehr ähnlich sehen.

Teotihuacan besteht aus zwei großen Pyramiden, der hohen Piramide del Sol und der etwas niedrigeren, aber dennoch dominanteren Piramide de la Luna. Das Gelände erstreckt sich über eine Länge von mehreren Kilometern und besteht aus zahllosen Ruinen und Straßen. Der sichtbare Teil ist nur ein Bruchteil dessen, was einst war und selbst mit modernen Methoden ist es Archäologen bisher noch nicht gelungen, ein exaktes Abbild der Stadt zu reproduzieren.  Im Jahre 750 wurde die Stadt von schätzungsweise 180‘000 Menschen bewohnt, wenig später jedoch schon wieder verlassen. Die große Anzahl von Bewohnern führte zur Ausbeutung der Böden und massive Abholzung (es wurde sehr viel Brennholz zur Zementproduktion benötigt) zerstörte die ausgedehnten Wälder und in Folge entstand eine lebensfeindliche Halbwüste. Ein Blick in unsere Zeit stimmt einen da sehr nachdenklich: ist es tragisch, das wir heute immer noch die gleichen Fehler mache und wieder unter deren Folgen leiden, wie es schon vor 2000 Jahren geschehen ist. Es scheint fast ein Bedürfnis einer Hochkultur zu sein, sich der eigenen Lebensgrundlage zu berauben – vielleicht vergessen wir mit zunehmendem Wohlstand unsere Abhängigkeit von der Natur.

Der Sinn und Zweck vieler Gebäude ist heute unbekannt, interessanterweise wussten selbst die Azteken, die zeitlich sehr nahe am Untergang der Stadt waren, nichts über die Ruinen oder deren Erbauer und behandelten die Pyramiden als heilig. Sie sind nach der Sonne ausgerichtet und es ist erstaunlich, mit welcher Genauigkeit die Inka die gesamte Anlage planen und umsetzen konnten. Ein Hinweis auf den hohen Entwicklungsstand gibt auch das ausgeklügelte Wasserleitungssystem mit Tunnels und Staubecken über die gesamte Stadt. Aus vermutlich geometrischen Gründen wurde sogar ein Fluss umgeleitet und ins akkurate Stadtbild integriert. Archäologen gehen aufgrund verschiedener Funde davon aus, dass sowohl die Pyramiden als auch die gesamte Stadt einst farbenprächtig verputzt und mit Edelsteinen verziert waren und so einen großartigen Kontrast zur kargen Umgebung darstellten.

Im Laufe der Jahrhunderte wuchsen die Ruinen langsam zu und waren so als niedrige Hügel unscheinbar in die Landschaft integriert. Erst in der jüngeren Geschichte wurden durch groß angelegte Ausgrabungen  viele Gebäude wieder freigelegt und teilweise sanft saniert. Bei den kilometerlangen Spaziergängen hat man genug Zeit, sich die vielen Details anzuschauen und kann sich in eine belebte Vergangenheit zurückversetzen.  Möchte man übrigens etwas Ruhe haben kommt man am besten vor 10 Uhr morgens, dann kommen nämlich die Tourbusse aus Mexiko City und es wird voll. Wobei wir auch hier das Gefühl hatten, dass einst viel mehr Touristen durch die Anlage strömten. Von Überfüllung war es auf jeden  Fall meilenweit entfernt. Wir freuen uns nun schon auf die Ruinen im Dschungel Yucatans und sind auf das Inkaerlebnis gut eingestimmt worden.

Bildergalerie:

Hier sind noch einige Privatbilder.

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