Der Süden Kolumbiens

Gestärkt vom vielen Kaffee fuhren wir an einem langen Fahrtag in Richtung der Tatacoa-Wüste. Aufgrund einer fehlenden Brücke und eindringlicher Hinweise an der Mautstelle, in dieser Gegend nicht Nachts zu fahren, landeten wir sehr zur Freude der Kinder in Aipe auf dem Feuerwehrparkplatz. Sie durften ausgiebig Blaulicht und Sirene betätigen und wir hatten nette Gesellschaft durch die Feuerwehrmänner. Die Tatacoa-Wüste überraschte uns dann mit sehr hohen Temperaturen, einem Pool mitten in einem trockenen Tal und der Begegnung mit Bernd und Viola in ihrem Landcruiser. Zusammen fanden wir einen tollen Schlafplatz auf einer Kuppe mit Blick über die surreale Landschaft.

Wir verließen die Wüste stilecht auf einer kaum befahrenen Piste, machten noch einen Badestop im Thermalwasser von Riviera und folgten am nächsten Tag dem Lauf des Rio Magdalena ins berühmte San Augustin. Hier wurden zahlreiche Stelen und Grabkammern einer untergegangenen Kultur gefunden, deren genauere Geschichte bis heute unbekannt ist. Als die Spanier im 16. Jahrhundert hier einwanderten war die Kultur bereits komplett verschwunden und nur die überwucherten Figuren wiesen auf die verschwundene Zivilisation hin. Über deren Untergang gibt es zahlreiche Theorien von Klimawandel über Krankheiten bis hin zu Aliens, genaueres ist aber nichts bekannt. Umso interessanter sind die steinernen, teilweise liebenswert-martialisch anmutenden Figuren mitten im Bergwald in unwegsamem Gelände. Aufgrund der Einzigartigkeit dieser Funde, die übrigens von einem deutschen Archäologen in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts in ihrer Bedeutung erkannt wurden, gilt San Augustin als eine der bedeutendsten archäologischen Stätten des gesamten Kontinents. Zuvor benutzen die Einheimischen die Figuren als Dekoration für ihre Häuser und den Dorfplatz von San Augustin. Ein Ausflug hoch zu Ross zu weiteren, kleinen Fundstätten weit über der Schlucht des Magdalenenflusses gab uns einen schönen Eindruck von der wilden Landschaft und wir sahen viele, kleine Fincas, auf denen vor allem Kaffee, Bananen und Zuckerrohr angebaut werden.

Auf einer berüchtigten Straße ging es dann durch den Paramo und durch nassen Nebelwald nach Popayan, nicht ohne des obligatorischen Badestopps in Coconucos. Hier gibt es heiße Quellen, die zu einem Erlebnisbad umgebaut wurden. Ein heißer Spaß für die ganze Familie. Die Straße durch die Berge führt durch abgelegenes Berggelände und bis vor einigen Jahren war diese Gegend fest in der Hand der Guerilla. Mittlerweile ist das Gebiet durch Militär und Polizei kontrolliert und problemlos bereisbar – ein gutes Beispiel für den erfolgreichen Kampf der kolumbianischen Staatskräfte gegen Gewalt und Unfrieden im Land. Hier sahen wir auch das einzige Mal Polizeipanzer und schwerbewaffnete Kontrollpunkte an der Straße, gelegentlich müssen sich die Sicherheitskräfte hier noch mit einzelnen FARC-Gruppen auseinandersetzen. Insbesondere in den Bergen des nördlichen Caucas schwadronieren Guerilla und Paramilitärs, hier muss man beim Reisen besonders vorsichtig sein. Als Tourist gehört man jedoch nicht zur Zielgruppe und kann sich unter Absprache mit den lokalen Behörden sicher bewegen.

In Popayan quartierten wir uns auf einem Parkplatz ein und zufällig wohnten zwei Häuser weiter Jens und Aura, die bald nach Deutschland ziehen werden. Jens bereiste mit dem Fahrrad die Panamericana und lernte in Kolumbien Aura kennen, nun ziehen sie in Jens alte Heimat und gründen dort eine Familie. Sie zeigten uns Popayan und wir hatten viel Spaß zusammen, so dass wir länger blieben als gedacht. Über hohe Berge und tiefe Täler ging es dann in den Süden an die Grenze zu Ecuador. Die Panamericana überwindet auf dieser Strecke gewaltige Höhenunterschiede, wir fuhren innerhalb weniger Kilometer sozusagen über sämtliche Alpenpässe und waren überrascht, wie unwegsam das Gelände ist, das diese Hauptverkehrsstraße durchquert. Unsere letzte Station in Kolumbien war Las Lajas, die wichtigste Pilgerstätte der Katholiken in Südamerika. Hier tauchte auf einem Felsen plötzlich ein Marienbild auf, um welches herum über die Jahre immer größere Kapellen errichtet wurden, bis die jetzige Basilika Gestalt annahm. Auf den Felsen um die Kirche herum kleben tausende Tafeln, auf denen die Menschen für Wunder danken, die ihnen geschehen sind und die ihr Leben verbessert haben.

Nun sind wir in Ecuador und blicken auf eine wundervolle Zeit in Kolumbien zurück. Wir lernten die Kolumbianer als offene, herzliche und sehr hilfsbereite Menschen kennen. Tolle Landschaften und die gute Infrastruktur machten Kolumbien für uns zu einem tollen Reiseland und einem Highlight auf unserer bisherigen Reise.

Unsere Privatbilder der letzten Wochen gibt es hier.

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