Der unwegsame Norden Perus

Beladen mit Vorurteilen haben wir die Grenze nach Peru passiert – Müll, Kleinkriminialität und unfreundliche Leute sollten uns erwarten. Doch, oh Wunder, davon war nichts zu sehen und spüren. Schon der Grenzbeamte, der mit uns unter dem labilen Intranet des Zolls litt, war sehr freundlich und genoss die Zeit mit ein paar Gringos an einer Grenze, an der diese Seltenheitswert haben.
Auf der weiteren Strecke durch die Berge passierten wir kleine Bauerndörfer und überall strahlten uns die Bewohner entgegen, winken und riefen uns Grußworte hinterher. Was für ein toller Empfang! Die Dörfer waren aber trostlos uns staubiger, als wir das bisher so gesehen hatten, Peru ist deutlich ärmer als seine nördlichen Nachbarn. Auch Müll war wenig zu sehen, na ja, eigentlich keiner, abgesehen von ein paar Müllkippen und ein paar Plastiktüten hie und da in den Bäumen. Lateinamerikanischer Alltag, nichts Besonderes also. Wie zu erwarten war, gab es auf und neben der Straße zahlreiche Erdrutsche zu sehen. Was es wirklich heißt, wenn man von Erdrutschen in den Anden liest, begreift man erst, wenn man es sieht.
In Jaen luden wir Tanjas Schwester Natalie ein und fortan erkundeten wir zu fünft die untouristische nördliche Corderilla. Heiße Quellen am Rio Maranon, hohe Wasserfälle und die Ruinen der Chachapoyssiedlung Kuelap bestimmten unsere Route. Die Cataractas de Gocta gehören mit ihren 773m auf jeden Fall zu den höchsten der Welt und die Wanderung dorthin entlang einer tiefen Schlucht und zuletzt durch dichten Nebelwald war eine schöne Einstimmung auf unsere Wanderziele in Peru. Robert und Carla genossen den Trageservice in ihren Kraxen, wobei Carla ein beachtliches Stück selbst durch den Matsch marschierte (zum Glück konnten wir uns Gummistiefel ausleihen). In dem kleinen Dörfchen unterhalb der Wasserfälle fühlten wir uns richtig wohl und auch die Bewohner freuten sich über den Besuch.


Die antike Siedlung Kuelap thront hoch über der Umgebung auf einem Bergrücken und gilt neben Machu Pichu als eine der ganz besonderen Ruinen Perus. Warum verstanden wir, als wir oben standen. Über den Wolken, mit einer fantastischen Aussicht über die umgebenden Täler haben die Chachapoyas hier eine kleine Stadt errichtet. Heute sind noch die großen Terrassen, die den Abhang ebneten, und viele Fundamente der Häuser zu sehen. Dazwischen wachsen alte, von Bromelien behangene Bäume und unzählige Blumen, mit den durchziehenden Nebelschwaden und dem einfallenden Licht eine mystische Stimmung. Da wir beim Besucherzentrum übernachteten waren wir vormittags alleine in den Ruinen unterwegs und konnten so die besondere Stimmung in aller Ruhe genießen. Erst als wir wieder abstiegen, kamen uns einige Tourgruppen entgegen. Allzu überlaufen wirkt die Gegend aber nicht, wirklich voll wird es hier vermutlich nie.

In Leimebamba setzten wir Natalie zum Wandern ab und machten uns auf den Weg nach Cajamarca. Vorher schauten wir uns noch das lokale Mumienmuseum an – 1997 wurden in den Bergen über 200 bestens erhaltene Mumien und diverser Grabschmuck gefunden. Eine einmalige Entdeckung. Die Strecke nach Cajamarca wurde von vielen Einheimischen hoch gelobt – sie sei äußerst spektakulär. War sie dann auch, überraschend gut, da frisch asphaltiert, führte uns die Straße erst auf einen hohen Pass, um danach 2600m abzufallen. Kaum am Fluss ging es wieder hoch, steile 2000 Höhenmeter. Das war mehr als der Grand Canyon und die Landschaft war atemberaubend. Eine tolle Einstimmung auf die kommenden Fahrten. Nach einigen Erledigungen im netten Städtchen Cajamarca machen wir uns nun auf dem Weg in die Corderilla Blanca – in die hohen Berge der Anden.

Privatbilder gibt es mit dem üblichen Passwort hier zu sehen.

3 Thoughts on “Der unwegsame Norden Perus

  1. Carine und Andreas on Mittwoch, der 4. Juni 2014 at 15:45 said:

    habt ihr den speziellen kolibri von leimebamba gesehen, der aphrodisiatische (oder so) gefuehle verleihen soll (gekocht oder gebraten, oder roh, keine ahnung)
    andy

    • Nein, den haben wir nicht erspäht. Könnte mir aber vorstellen, dass im Mumienmuseum die Spuren übermäßigen Konsums zu sehen sind. Wäre dann ein recht schrumpeliges Ergebnis…;-)

  2. Carine und Andreas on Mittwoch, der 4. Juni 2014 at 15:39 said:

    schoen eure reiseberichte und bilder zu sehen, schoen dass es euch gut geht, weiter so, deutschland wird weltmeister!
    andy

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