Nicaragua

Unsere erste Nacht in Nicaragua wurde, wie wir schon aus El Salvador gewohnt waren, von lauten Hahnenrufen bis in die frühen Morgenstunden begleitet. Kurz nach dem Frühstück gesellte sich ein Freund des Besitzers der Bar wo wir übernachteten zu uns, der mitten im Gespräch nach ein paar Dollars fragte. Ein Vorzeichen für den Rest unseres Aufenthaltes in Nicaragua: wo Touristen sind, gibt es Geld zu holen.
Wir folgten dem Ratschlag des gesprächigen Barbesitzers und sind direkt zum Baden zum Balneario Campuzano gefahren, wo wir uns in den riesigen, mit klarem lauwarmen Thermalwasser gefüllten Schwimmbecken erfrischen konnten. Den neugierigen Blicken der Einheimischen zufolge finden offensichtlich nicht viele Touristen den Weg hierher. Für uns war es ein sehr lohnenswerter Abstecher, insbesondere weil sich ein weiterer heißer Tag ankündigte.
Die Straße war vor lauter Schlaglöchern kaum zu erkennen und oft überholten wir Ochsenkarren und Pferdewägen, die hier auch in Städten noch weit verbreitet sind. Im touristischen Ort Leon angekommen suchten wir lange nach einem Stellplatz, bis wir schließlich zufällig auf dem Parkplatz der Feuerwehr stießen, wo wir zentral, günstig und sicher übernachten konnten. Abends kamen auch noch Familie und Freunde des wachhabenden Feuerwehrpersonals zum Essen und Fernsehschauen vorbei. Hier war fast mehr los als auf dem ruhigen Hauptplatz, wo laut Reiseführer jeden Samstag Essen und Tanz stattfinden sollte.


Leon ist eine schöne Kolonialstadt, doch irgendwie waren wir noch von denen in Mexiko gesättigt und steuerten daher als nächstes Ziel ein natürliches Highlight von Nicaragua an. Der „Masaya Volcano National Park“ liegt nahe bei der Hauptstadt Managua und bietet die seltene Möglichkeit, mit dem Fahrzeug direkt an den Kraterrand eines aktiven Vulkans fahren zu können. Aus Sicherheitsgründen darf man sich nur 15 Minuten auf dem oberen Parkplatz aufhalten und für alle Wanderungen in der Umgebung werden Führer benötigt. Landschaftlich war es tatsächlich schön und der Vulkan Nindiri rauchte auch ordentlich, allerdings sieht man bei so viel Dampf natürlich kaum etwas vom Krater. Da es in Nicaragua durchschnittlich alle 25km einen Vulkan gibt, sind wir für die Nacht lieber zu einem mit Wasser gefülltem Krater gefahren. Die Laguna de Apoyo erinnerte uns an den Crater Lake National Park in den USA, nur dass es hier etwas kleiner und viel bewohnter ist (und es nicht einfach ist, einen Stellplatz zu einem angemessenen Preis zu finden). Das Panorama beim Baden ist super und beinhaltet noch den besonderen Bonus, dass das Wasser von unten gewärmt wird. Wir machten am nächsten Morgen auch noch einen lohnenswerten Abstecher zu dem Aussichtspunkt Mirador de Catarina.
Auf der Weiterfahrt wollten wir uns wie üblich bei einem Stand mit frischem Obst und Gemüse eindecken. Doch als der Händler mir sagte, dass er für eine kleine Wassermelone, acht Mandarinen und einigen Bananen US$20 haben will, fehlten mir glatt die Worte. Ich hatte ihn schon auf die Hälfte runtergehandelt, als Max zur Hilfe kam und den Preis nochmal drückte, indem er klar machte, dass wir keine US Amerikaner sind und wir als Reisende die üblichen Preise für Obst in den Nachbarländern gut kennen. Schließlich hatte der Händler ein so schlechtes Gewissen, dass er noch den Anhänger seiner Kette abnahm und uns schenkte, damit die heilige Jungfrau von Guadeloupe uns auf unserem weiteren Reiseweg beschützt. Trotz dieser lieben Geste waren wir doch etwas entsetzt, wie bei Touristen in Nicaragua nur Geld gesehen wird, denn dies war uns auch schon bei anderen Gelegenheiten negativ aufgefallen. Immerhin haben wir die zahlreichen Polizeikontrollen passiert, ohne Geld zu lassen. Andrerseits fehlten uns mittags immer die gewohnten Essensstände, an denen wir gerne Geld ausgegeben hätten.
Da uns Nicaragua gerade im Vergleich zu seinen nördlichen Nachbarländern wenig von den Socken gehauen hat, sind wir kurzerhand nach drei Nächten im Land zur Grenze nach Costa Rica gefahren. Dort hat die Abmeldung des Autos aufgrund der Trägheit der Grenzbeamten (und wohl unserer Weigerung zu prüfen, ob das Rüberschieben eines Geldscheins zur Beschleunigung führt) eine Stunde gedauert. Allerdings war es auf der costa-ricanischen Seite auch nicht viel besser, da dort allein die Anmeldung des Bremachs aufgrund eines defekten Kopiergerätes eine weitere Stunde kostete. In der Abenddämmerung begrüßte uns der sattgrüne Regenwald von Costa Rica, was für uns eine willkommene Abwechslung nach den heißen Tagen im trockenen Nicaragua bot. Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie sehr die Leute und die Politik die Natur in einem Land prägen, so dass die Grenzlinie zwischen den Staaten auch an der Flora deutlich erkennbar ist.
Wir haben uns entschieden, den Bremach Ende Februar von Panama nach Kolumbien zu verschiffen und können daher in den nächsten Wochen etwas gemütlicher durch Costa Rica und Panama touren.

Ein paar private Bilder aus Nicaragua gibt es hier.

One Thought on “Nicaragua

  1. Hallo zusammen,

    Kompliment für eine tolle, humorvolle und informative Homepage, wir (mit unserer Reiseschildkröte Esmeralda) “verfolgen” euch mit einigen Abstand (siehe unsere Site!!) und freuen uns immer über Infos’ eure sind recht neu und “Frisch” Danke.

    macht weiter so, gute Fahrt und viel Glück bei der Passage nach Süden !!!
    Heidi & Tom

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

CAPTCHA-Bild

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Post Navigation