Adios Atlantico, hola montañas!

Dank der Verschiffung hatten wir einige Tage, um uns die Altstadt von Cartagena anzusehen: schön restaurierte alte Häuser, viele blühende Pflanzen, eine große begehbare Stadtmauer am Meer, eine entspannte Atmosphäre und viele Touristen aus dem In- und Ausland. Als wir sechs Tage nach der Abgabe in Panama unseren Bremach wieder in Empfang nehmen können, waren wir aber auch froh, weiterreisen zu können.


Nach dem ganzen Papierkram und der Warterei rund um die Verschiffung haben wir uns erstmal wieder etwas Entspannung am Strand gegönnt. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Schlammvulkan vorbei, in dem man sich suhlen kann. Jedoch stellte sich schnell heraus, dass dies kein Spaß für Langzeitreisende ist, denn selbst Kleinkinder sollen den vollen Preis bezahlen. Der Kokosnussverkäufer hat uns zugestimmt als wir ohne Bad wieder ins Fahrzeug stiegen und davon fuhren.
Gleich neben dem teuren Nationalpark Tayrona gibt es einen schönen Campingplatz, wo die Atlantikküste wohl fast genauso schön ist. Nach all den Strandtagen in Mittelamerika war uns nicht danach, für den Park zu zahlen und zu den Stränden hinwandern zu müssen. Wir bekamen nicht nur Gesellschaft von einer lieben belgischen Familie, sondern auch von unzähligen Kolumbianern, die die Faschingstage für einen Ausflug nutzten. Überall am Strand wurden Zelte aufgestellt und Hängematten aufgehängt. Laute Musik gab es aber nicht, im Gegensatz zu dem, was entlang der Straße geboten wird: riesige Boxen, die nach außen aufgestellt sind, werden voll aufgedreht und beschallen die Umgebung weiträumig.

Wir entflohen dem Trubel und machten einen Abstecher ins Bergdorf Minca. Nirgendwo sonst gibt es so hohe Berge direkt am Meer, jedoch wurde uns die Sicht auf die schneebedeckten Gipfel von den Wolken versperrt. Wir haben jedoch die nicht ganz so heiße Bergluft genossen, machten eine fordernde Offroadtour zu einem Aussichtspunkt und hörten dem ohrenbetäubenden Lärm von hunderttausenden Chicharas (erstaunlich große Zikaden) zu. An einem Morgen machten wir auch einen Ausflug zu der nahegelegenen Kaffeeplantage La Victoria. Highlight für Max war dort ganz klar die kleine Peltonturbine, die dort zur Stromerzeugung und zum Antrieb der Röstmaschinen genutzt wird. In schöne Säcke verpackt verlassen die Kaffeebohnen die Finca, doch Max hat am Hafen beobachten können, was nur wenig später passiert. Die Säcke werden beim Zoll aufgeschlitzt und die Bohnen durch die Luft gewirbelt – Drogenkontrolle.

Zwei lange Fahrtage führten uns durch die Ebene an weniger imposanten Landschaften und an ein Benzindorf vorbei. Wir konnten unseren Augen kaum glauben, als wir einen großen Tank nach dem anderen sahen, der vollgefüllt mit billigem Schmugglersprit aus Venezuela war. Benzin zu Dumpingpreisen!
Schließlich kamen wir ins Landesinnere zum Canon de Chicamocha. Dort befindet sich ein Nationalpark, bei dem mehr das Amüsement als die Natur im Vordergrund steht. Mit einer modernen Gondel kann man von einer auf die andere Seite der Schlucht fahren und sich den Rest des Tages mit Kabelflug, Kartfahren, Riesenrutschen und –schaukeln und vielem mehr vertreiben.

Den Entspannungs- und Fahrtagen folgten einige Erledigungstage in und um San Gil. Mir ist eine Füllung rausgefallen und so hatte ich die Freude, mal eine kolumbianische Zahnarztpraxis von innen zu sehen. Von der Technik her kaum anders als daheim, nur dass die zwei Zahnarztstühle einfach in einem großen Raum stehen, alles mit Frischhaltefolie überzogen war und es lediglich 12,50 Euro gekostet hat! Genauso professionell und ohne Termin wurde dann dem Bremach in einer Hinterhofwerkstätte die Auspuffhalterung wieder richtig angeschweißt. Diese sofortigen, oft gut improvisierten und billigen Reparaturen werden wir nach der Reise vermissen! Nur Wäschereien scheinen in Kolumbien nicht ganz so verbreitet zu sein und so folgte nach dem Besuch des schönen Städtchens Barichara ein weiterer Erledigungstag, bei dem wir Berge an Wäsche per Hand wuschen. Immerhin auf einem hervorragendem Stellplatz auf dem Gelände eines Schwimmbads, wo die Kinder sich austoben können und wir in der Gesellschaft eines irischen und eines deutschen Pärchen in Expeditionsmobilen sind. Da bleiben wir doch gleich mal noch einen Tag länger und nutzen die Gelegenheit, diesen ersten kolumbianischen Reisebericht zu schreiben. Neben uns wird der Unimog der Iren von einem Mechaniker repariert, der über Nacht aus dem ca. sechs Stunden entferntem Bogota anreiste und seinen Sonntag mit Basteln verbringt. Denn natürlich muss auch hier wieder improvisiert werden, da das viel schneller geht und billiger ist, als die Teile aus Deutschland anfliegen zu lassen.

Die Kolumbianer haben uns sehr freundlich und interessiert empfangen und es ist schwer, nicht mit den Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Da läuft eine Polizeikontrolle gleich mal anders als gedacht: Ich werde angehalten und mit Handschlag von dem Polizisten begrüßt. Er will erstmal wissen wie es mir geht. Dann fragt er wo wir herkommen und wo wir hinfahren. Als nächstes folgt nicht die erwartete Kontrolle der Papiere, nein, er fragt wie uns denn Kolumbien gefällt und ob wir nicht noch hier und dorthin fahren wollen, dies und das sollten wir uns nicht entgehen lassen. Lächelnd wünscht er uns eine gute Weiterreise und winkt uns hinterher.
Der Verkehr ist teils sehr wild und ohne Hupe läuft nichts. Auf den Bergstraßen muss man entweder kolumbianisch überholen (bei der kleinsten Möglichkeit egal ob mit oder ohne Sicht einfach hupen und aufs Gas treten) oder sich in Geduld üben (die empfohlene Variante für Nicht-Einheimische), denn die Lastwägen können seeehr langsam werden. Für die meisten Hauptstraßen muss eine recht hohe Maut entrichtet werden und vor den Mautstellen befinden sich mal wieder die unleidigen Topes. Inzwischen wissen wir die Verkäufer, die dort stehen, zu schätzen. Hier wechseln innerhalb kurzer Zeit frisch gepresste Säfte, CDs, diverse Ladekabel und neuerdings sogar heißer Kaffee den Besitzer. Überhaupt gibt es an jeder Ecke in Kolumbien Kaffeeverkäufer, die mit Thermoskanne und kleinen Plastikbechern auf Kundschaft warten. Straßenstände mit gutem Essen lassen sich zu unserer Freude auch wieder schnell finden. Ganz beliebt ist hier das sogenannte „comida corriente“, bei dem man sofort eine Suppe serviert bekommt, eine Karaffe mit süßem Getränk, bald gefolgt von Fleisch oder Fisch nach Wahl mit Reis, Kochbananen und ein wenig Gemüse. Wir werden uns in den nächsten Wochen noch fleißig weiter durch das Land essen, denn Kolumbien ist ca. fünfmal so groß wie Deutschland und es gibt noch viel zu sehen und zu machen!
Eine kleine Sammlung mit privaten Bildern gibt es hier .

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