Von Vulkanen durch Wüsten und Berge an den Pazifik

Seit unserem letzten Beitrag aus Oregon sind wir ein gutes Stück weitergekommen und haben unterwegs viel unternommen und erlebt. Nachdem wir auf dem Mount Bachelor waren, sind wir auf dem Cascades Lakes Scenic Byway weiter gen Süden gefahren – durch weite Wälder und entlang vieler wunderschöner, tiefblauer, Seen. Dank unseres Bremachs konnten wir die tolle Natur auch von kaum befahrenen Pisten aus genießen und uns so etwas von den vielen Touristen absetzen.

Wir haben uns den Crater Lake angeschaut wo ein ehemals sehr hoher Vulkan vor ca. 7000 Jahren explodiert ist und einen tiefen Krater hinterlassen hat. Dieser Krater hat sich mit Schmelz- und Regenwasser gefüllt und ist zu einem der tiefsten, klarsten Seen der Erde geworden. Das daraus resultierende Blau ist unvorstellbar intensiv und faszinierend. Der Ausbrauch wurde seinerzeit von Indianern beobachtet und die Geschichte davon durch Rituale und Erzählungen bis heute bewahrt. Lediglich der viele Rauch, der von den umliegenden Waldbränden an den See getrieben wurde, beeinträchtigte die Sicht etwas. Immerhin hatten wir Glück und mussten keine Umwege wegen der Feuer machen.

Bildergalerie vom Crater Lake National Park (immer auf das erste Bild klicken, um alle zu sehen):

Da wir so viele hohe und formschöne Berge sahen und ich unbedingt wissen wollte, wie da oben die Aussicht ist und bestieg den Mount Shasta. Dies ist der letzte hohe Vulkan der Cascades und liegt bereits in Kalifornien. Er überragt die Umgebung um über 3000m und steht völlig frei, was ihn zu einem begehrten Ziel macht. Da die alpinistisch reizvolle Variante durch den Avalanche Gulch wegen Steinschlaggefahr im August nicht mehr ratsam ist bin ich über die Ostseite und den oberen Wintun-Gletscher aufgestiegen. Aufgrund des Wetterberichtes für den nächsten Tag und diverser Angaben, genügend Zeit für den langen Aufstieg einzuplanen (anscheinend kommen nur 50% aller Aspiranten auch oben an), bin ich schon um 2 Uhr gestartet. So hatte ich das Glück, bei Sonnenaufgang am Gipfel zu sein und eine gewaltige Aussicht und eine faszinierende Atmosphäre genießen zu können. Im Gipfelkrater stinkt es nach Schwefel und es gibt heiße Quellen. Der Abstieg durch die Aschefelder war super, innerhalb von kurzer Zeit geht über 2000 Höhenmeter runter. Für Nachahmer hier ein paar Eckdaten: Start ab Clear Creek, Schlafplatz am sogenannten Basecamp 600m weiter oben, ab dort geht’s dann ca. 1700 Höhemeter nach oben. Es gibt fast immer eine Möglichkeit, den Aschefeldern auszuweichen, nur hier und da muss man mal durch die weiche und feine Asche hoch. Der obere Wintungletscher ist spaltenfrei, aber hart und eisig (Steigeisen) und vereinfacht die letzten 400m stark. Für den Aufstieg sollten 8-10h, für den Abstieg 5-7h eingeplant werden. Bei guter Wegfindung geht’s aber auch in 8h hoch und wieder runter, ohne Pausen vermutlich noch schneller.  Tanja hat den Tag zusammen mit den Kindern in Mt. Shasta verbracht, es gibt dort einen tollen Spielplatz und sie wurden sogar zu einem Kindergeburtstag eingeladen und mit Kuchen versorgt. Als wir wieder vereint waren steckte der Mount Shasta bereits in dicken Wolken.

Wir sind mit einem Abstecher bei einer Lavahöhle weiter zum Lassen Volcanic National Park gefahren. Wir hatten das Pech, an einem der wenigen Wochenenden dort zu sein, an dem die Campingplätze überfüllt waren und haben so außerhalb des Parks auf einem kleinen Hügel unter einem tollen Sternenhimmel genächtigt. Leider war der Lassen Peak wegen Wegbauarbeiten geschlossen, so dass wir nicht wie geplant den südlichsten der Cascade Vulkane besteigen konnten. Stattdessen haben wir uns einen schönen Weg über einsame Pisten nach Reno gesucht, um dort Tanjas Schwester Natalie und unser Reserverad einzusammeln. Natalie verbrachte eine Woche zusammen mit uns, so dass Tanja und ich an einigen Tagen Klettern gehen konnten. Unser erstes Kletterziel war Lovers Leap am Lake Tahoe, eine sehr steile Granitwand mit tollen Linien. Wir haben uns dann auch die Traumlinie (Corrugation Corner, V, 4SL) am Fels ausgesucht und sind entlang toller Risse und einer phänomenal ausgesetzten Kante hinaufgeklettert. Abgesehen von der Kante konnte alles toll abgesichert werden, was die Kante noch etwas spanender machte. Als wir oben waren konnten wir kaum glauben, dass es so ausgesetzte Touren im fünften Grad gibt. Zum Nachtisch gabs noch einige schöne Boulderblöcke unmittelbar am Campingplatz und wir waren bereit für mehr.

Über einige Umwege vorbei an der Geisterstadt Bodie und dem Monolake ging es nach Tuolomne Meadows, dem High Yosemite. Unsere Strategie, am Tiogapass zu übernachten um einen der raren Plätze zum Übernachten zu bekommen, hat sich bewährt und so konnten wir uns auf dem Tuolomne Campground einrichten. Wir sind dann auch gleich klettern gegangen und haben uns wieder an die Plattentechnik von der Grimsel erinnert. Unser großes Ziel, der Farview Dome, war leider von der langsamsten Seilschaft der Welt blockiert, sie waren bereits seit zwei Stunden am Werk als wir kamen und noch nicht annähernd mit der zweiten Seillänge fertig. Unser Ausweichziel war der Daff Dome, hier waren wir wundersamerweise alleine und konnten unsere Risstechnik anwenden. Der Westcrack (VI-, 5SL) bietet vom Finger- bis zum Offwidthriss alles, was das Herz begehrt. Nach einer weiteren, kurzen Tour was das schon wieder mit der Kletterei, da Natalies Zeit begrenzt war. So sind wir noch kurz ins Yosemite Valley gefahren und haben die Granitwände bestaunt und geträumt – hier werden wir sicherlich wieder mit viel Zeit zum Klettern herkommen. Kaum waren wir aus dem Nationalpark draußen, haben wir einen sehr großen Waldbrand mit Löschflugzeugen gesehen, es ist faszinierend und erschreckend zugleich, die Natur so von ihrer brutalen Seite zu sehen. Eine lange Fahrt hat uns dann nach San Francisco gebracht, wo wir Natalie am Flughafen abgesetzt haben und das erste Mal auf unserer Reise in einem Hotel eingecheckt haben.

2 Thoughts on “Von Vulkanen durch Wüsten und Berge an den Pazifik

  1. Beim Bilder anschauen bekomm ich richtig gribbeln in den Fingern!

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