Kreuz und quer durch Costa Rica

Wie schon angekündigt, melden wir uns diesmal von der Karibikküste. Wir haben den langen Weg hierher genommen und sind vom südlichen Teil der Pazifikküste im Inland wieder gen Norden gefahren. Von Meereshöhe ging es steil bergauf in den nass-kalten Nebelwald hinein, wo uns die erste kalte Nacht seit langem erwartete. Wir übernachteten in der Nähe des Cerro de los Muertos, wo die Panamericana bei ca. 3300m ihren höchsten Punkt erreicht. Wir sind natürlich bis auf den Gipfel auf 3460m hinaufgefahren, von wo man bei klarer Sicht (die wir aber nicht hatten) beide Ozeane aus sehen kann. Leider hat der neue Turbolader unsere Batterie nicht mehr retten können, so dass die Spannung mitten in der Nacht nicht mehr hoch genug war um unsere Standheizung anzuschalten. Doch an diesem Morgen war es weder schlimm, dass wir nur 10°C in unserem Bremach hatten, noch dass die Kinder kurz vor 5.30 Uhr wach waren: wir waren sowieso um 6 Uhr zu einer Quetzal Tour verabredet und hatten das erste Mal seit langem (unnötigerweise) den Wecker gestellt. Da ein anderer Tourist leider verschlafen hat (er sollte sich Kinder zulegen), mussten wir dann doch noch etwas warten, bis wir den als Göttervogel verehrten Quetzal in freier Natur beobachten konnten.

Wir hatten Glück und sahen gleich 5 oder 6 dieser wunderschön grünen Vögel und staunten über die etwa einen halben Meter langen Schwanzfedern der Männchen. Alle in unserer Gruppe waren mucksmäuschenstill um die Vögel nicht zu vertreiben (auch unser Führer war sehr wortkarg und die Tour daher wenig informativ), nur Robert plapperte ununterbrochen und lauthals während er sich über die noch unreifen Brombeeren am Wegesrand hermachte. Die Quetzals haben sich davon aber nicht stören lassen oder sind gar schon an den morgendlichen Besuch von Touristengruppen gewöhnt. Auf dem Weg zurück zur Hauptstraße ging es so steil bergauf, dass die Mitfahrer der anderen Autos alle aussteigen und schnaufend den Berg hinauflaufen mussten. Wir saßen gemütlich in unserem Bremach, der sich im kleinen Gang tapfer nicht nur mit uns, sondern unserem gesamten Hausrat die Piste raufschob. Unser Mitfahrangebot lehnten die stolzen Mietwagenfahrer dankend ab.

Die hohe Eintrittsgebühr für Nationalparks (US$ 10 pro Person und US$ 3 fürs Fahrzeug) hatte uns etwas abgeschreckt, aber den Vulkan Irazu wollten wir uns nicht entgehen lassen. Als wir am Ende der Straße in einen Stau gerieten war klar, dass erstens Wochenende ist (welcher Wochentag ist wissen wir seit längerem nur selten auf Anhieb) und dass  es zweitens scheinbar alle Einwohner der nahegelegenen Hauptstadt San Jose an ihrem freien Tag in die Natur zieht. Die Besichtigung des Vulkans ist sehr kinderfreundlich, da man mit dem Auto fast bis an den Kraterrand und – mit einem robusten Fahrzeug – auch auf den höchsten Punkt fahren kann. Der Blick in den Vulkan war aber eher enttäuschend, da der grüne See, der auf allen Werbebildern zu sehen ist, komplett ausgetrocknet ist. Weitere Nationalparks der umliegenden Vulkane sparten (wortwörtlich) wir uns, da wir ähnliches in anderen Ländern auch ohne hohen Eintritt gesehen hatten. Uns wurde von mehreren Einheimischen berichtetet, dass über die letzten Jahre hinweg die Preise in Costa Rica stetig angehoben wurden, bis dieses Jahr die Schmerzgrenze für die meisten Touristen erreicht wurde und die Besucherzahlen überall im Land drastisch sanken. Wie es wohl für dieses Land weitergehen wird, das so vom Tourismus abhängig ist und sich nun auf so hohem Preisniveau, auch für die Einheimischen, befindet? Der Betreiber der Schmetterlingsfarm El Cocora war schon so resigniert, dass er uns kostenlos auf seinem Parkplatz hat übernachten lassen und nicht einmal etwas für die Besichtigung der Schmetterlinge und Kolibris haben wollte.

Überhaupt haben wir in diesem Land so viele kostenlose Stellplätze gefunden, wie in keinem anderen. Allerdings haben wir unser Fahrzeug nie unbeaufsichtigt gelassen und nachts alles verstaut, da in so vielen Gegenden vor Diebstahl gewarnt wird. Und tatsächlich haben wir auch ein Urlauberpärchen aus Deutschland kennengelernt, denen wir zufällig zwei Tage später wieder begegnet sind – diesmal um zwei Koffer ärmer. Ihr Mietwagen wurde in den wenigen Minuten, in denen sie in einem Supermarkt Wasser kauften, geknackt. Im Gegensatz zu den anderen Ländern Mittelamerikas scheinen sich die Ticos (so nennen sich die Costa Ricaner) zu schade zum Wache schieben zu sein. Es gibt kaum überwachte Parkplätze, stattdessen unzählige Warnschilder.

Es stimmt, „the best things in life are free“ und so genossen wir in der Nähe des Vulkans Arenal das Bad in einem wunderbar warmen Fluss, der von Regenwald umgeben ist direkt an der Straße liegt. Danach gab es kein Halten mehr, schon 30 km vorher gab es Werbeschilder für die deutsche Bäckerei in Nuevo Arenal, die wohl auch Sauerkraut und Bratwürste serviert. Nachdem wir unsere Bäuche mit hervorragenden Würsten und leckerem Apfelstrudel gefüllt hatten zeigte uns Thomas, der Besitzer, einen wunderschönen Platz am See. Dies, und die Aussicht auf ein gutes deutsches Frühstück mit frischen Laugenbrötchen am nächsten Morgen überzeugte uns schnell, dort zu nächtigen. Gut gestärkt sind wir zum Rio Celeste im Parque Nacional Tenorio gefahren, wo wir das erste Mal seit langem wieder gewandert sind. Der wunderschöne blaue Fluss, der mitten im Regenwald liegt, erhält seine Farbe durch eine chemische Reaktion zwischen durch vulkanische Aktivität freigesetztem Schwefel und Kalziumkarbonat.

Ohne Plan für das Ziel des Tages fuhren wir weiter und studierten auf dem Weg den Reiseführer (was auf einer Schotterpiste gar nicht so einfach ist). Wir wollten noch was von dem hochgelobten Regenwald Costa Ricas und seiner Tierwelt sehen, aber auch abseits der Touristenmassen sein – wie viele Touristen waren nur vor dem Einbruch der Besucherzahlen hier, wenn es uns so schon zu viel ist?! Auf gut Glück sind wir zum Refugio Nacional de Vida Silvestre Mixto Maquenque, der sich an der Grenze zu Nicaragua befindet. Wir irrten einige Zeit umher, bis klar war, dass es einfach nur ein geschützter Waldbereich ist, der kein Eingangstor hat. Zu dem Zeitpunkt waren wir aber schon so weit auf der Matschpiste um den Wald herumgefahren, dass der Rückweg sich nicht mehr lohnte. Also übernachteten wir neben der Piste und scheinbar irgendwo im nirgendwo. Und dann passierte, was uns schon seit Mexiko staunen lässt: aus dem nichts taucht in einer der Zivilisation entlegenen Gegend eine Person auf, zu Fuß. Diesmal ist es ein Mann mit freiem Oberkörper und Machete am Gürtel. Er wundert sich wohl weniger über den Anblick von zwei europäischen Kindern, die auf der Piste Staubsuppe kochen und zu dem originellen Expeditionsmobil gehören, denn er läuft einfach vorbei. Wir müssen ihm sogar hinterher rufen, damit wir ihn fragen können, ob die Piste denn weitergeht und wir auf der anderen Seite des Refugios wieder auf Zivilisation stoßen. Er kennt sich aus und erklärt uns den Weg bevor er im Abendlicht wer weiß wohin verschwindet. Der Abstecher in die Wildnis hat sich dann doch noch gelohnt, da wir am nächsten Tag nach einigem Geholpere über Matsch- und Schotterpisten auf ein Schild für ein weiteres Refugio stoßen. Wir wagen wieder einen Abstecher von der Hauptpiste und finden schließlich das Gesuchte: im Refugio Tapiria können wir sowohl eine schöne kleine Wanderung durch den Regenwald machen als auch eine Bootstour auf der Laguna Jalapa. Unser Führer William freut sich über Besuch, denn normalerweise kommen nur Gruppen mit Reservierung, und erzählt uns viel über die Pflanzen und Tiere, die wir zu sehen bekommen (Tarantel, Basilisken, Leguane, Fledermäuse, Affen, Frösche, Echsen und sogar eine Baby Schlange, die sehr giftig ist – die hat sogar der Max entdeckt).

Wo der Regenwald nicht mehr geschützt ist, wird genauso wie in anderen Ländern fleißig gerodet, um Platz für endlose Ananas- und Bananefelder zu machen. Ein trauriges Bild, vor allem wenn man daneben die brach liegenden Felder der vorherigen Anbaujahre sieht. Man kann davon lesen und Filme sehen, aber mit eigenen Augen und Ohren begreift man erst das wahre Ausmaß. Wenig später sehen wir die einen stetigen Strom von LKWs mit Kühlcontainern auf der Straße entlang rollen, die all die exotischen Früchte zu den Konsumenten in den Ländern auf der anderen Seite des Meeres bringen.

Kaum sind wir nach unserem Ausflug in den Regenwald wieder auf geteerten Straßen kommt der Schreck: irgendwas stimmt mit dem Bremach nicht und Max fährt schnell rechts ran. Einmal ums Auto rumgelaufen ist die Ursache klar: wir haben einen Platten, hinten rechts ist die Luft völlig raus. Völlig unerwartet, mitten im Dorf. Wir stehen auch noch direkt neben einer Bank, vor der sich eine lange Schlange an Menschen befindet. Es ist Ende des Monats und alle wollen gleichzeitig ihren Lohn abholen (dies ist eine weitere Kuriosität, die wir seit Mexiko beobachten). Wir haben ihnen die Wartezeit sicherlich recht kurzweilig gemacht, denn das Ersatzrad muss vom Dach runter, der platte Reifen ab, der neue drauf und der mit dem Platten dann in die Kabine. Max hat das alles problemlos und kompetent innerhalb von gut 20 Minuten erledigt. Am nächsten Tag haben wir dann zum ersten Mal eine der auf der Reise so zahlreich am Wegesrand gesehenen Llanteras (Reifenflickerei) in Anspruch genommen. Während der Reifen geflickt und der Bremach gewaschen und geschmiert wurde, habe ich zwei Wäscheladungen per Hand im Fluss gewaschen (ächz), sicherlich ein lustiger Anblick für alle Rafting und Zipline Touristen, die im Laufe der Zeit dort vorbei kamen. In Costa Rica ist das Angebot an Lavandarias (Wäschereien) und auch Essenständen begrenzt. Und immer finden wir das Gesuchte nur dann, wenn wir es nicht brauchen und niemals wenn wir verzweifelt die Augen danach aufhalten. Und da Roberts zweiter Geburtstag war könnt ihr euch hier einige Bilder vom Feiern anschauen.

Nun sind wir im Süden der Karibikküste von Costa Rica angekommen. Und tatsächlich sehen wir an der Karibik sowohl auch mal blaues und nicht braunes Wasser als auch Sonnenschein und nicht Regen. Nach ein paar Tage Entspannung am Strand werden wir uns auf nach Panama machen. Einige private Bilder von Costa Rica haben wir hier für euch.

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