Von den Dünen zu den Inkas

Nachdem unser Differential erfolgreich repariert war, ging es von Huancayo wieder hoch in die Berge und wir überquerten ein weiteres Mal den Andenhauptkamm. Diesmal ging es über einen über 5000m hohen Pass und durch eine grandiose Hochebene bei Santa Inés, die voller tiefblauer Seen war. Nach so langer Zeit in der dünnen Hochgebirgsluft stand ein spannender Abstieg an die Küste bevor.

Durch lange, tiefe Täler und entlang unzähliger Kurven erreichten wir Meereshöhe und besuchten dort unsere erste Inkafestung. Tambo Colorado gilt als besterhaltene Ruine der Küste, an den Wänden finden sich noch die alten Farben und in der Umgebung stößt man auf vereinzelte Mumien. Die Küste selbst war dann weniger schön – angeschwemmter Müll, tote Meerestiere und trostlose Fischfabriken säumten das Ufer. Schnell verzogen wir uns in den Paracas-Nationalpark, machten eine Vogelbeobachtungstour auf die Islas Ballestas, die als veritabler Ersatz für den teuren Ausflug zu den Galapagosinseln gelten, kommen doch immerhin 85% der dort heimischen Vögel auch hier vor. Wir sahen denn auch einige Vögel, faszinierender waren jedoch die Guanomengen, die die Insel bedecken. Alle sieben Jahre wird dieser wertvolle Dünger abgetragen und in die ganze Welt verteilt, eine einträgliche Arbeit, die nicht für Jedermanns Nase ist.

Die weitere Fahrt führte uns durch den Nationalpark entlang der Küste auf rauen Wellblechpisten, durch weichen Sand und entlang hoher Dünen nach Ica. Natürlich durfte eine Nacht oben auf einer Düne nicht fehlen, ein ganz besonderer Platz mitten im endlosen Sandkasten, sehr zur Freude von Robert und Carla. In Ica sammelten wir meinen Studienfreund Joscha ein, der uns die folgenden zweieinhalb Wochen begleitete. Ein ausgeklügelter Plan kombinierte fortan Fußball-WM, Sehenswürdigkeiten und  viele Kilometer durch den Süden Perus. Joscha kam in den Genuss, die Offraodkapazitäten unseres BREMACH in spannendem Gelände an der Küste kennenzulernen und die Vorteile des Allrads bei der Übernachtungslatzsuche zu schätzen. Am Weg lagen auch die mysteriösen Nasca-Linien und Tanja erfüllte sich einen  Kindheitstraum und bestaunte aus einem kleinen Flugzeug die Linien aus der Luft. Die Panamericana führte uns mal hoch über, mal nah dran am Pazifik nach Arquipa, einer schönen Kolonialstadt. Wir genossen hier vor allem die feine Küche (Alpakafilet auf heißem Lavastein serviert) und die WM-Specials in einer Dachkneipe. Fußball unter Palmen zum Mittagessen, das hat schon was!

Unser nächstes großes Ziel war der Canon del Colca – die zweittiefste Schlucht der Welt, mit einer Tiefe von weit über 3000m. Auf der Fahrt dorthin kletterten wir bis nah an die 5000m-Grenze und sahen von weitem die Eruption des Vulkan Ubinas. Noch überraschender war es, den dampfenden Vulkan Sabancaya mit seinen mehr als 6000m zu sehen. Während der Cotopaxi vom ecuadorianischen Tourismusministerium gerne als höchster aktiver Vulkan der Welt vermarktet wird, bricht hier also ein 200m höherer Berg aus. Der Colcacanyon wird schon seit Jahrtausenden bewirtschaftet und entsprechend sind die Hänge mit unzähligen Terrassenfeldern und Wasserkanälen überzogen. Zusätzlich dazu gibt es eine Kolonie von Andenkondoren, dem größten Vogel Amerikas. Morgens konnten wir die großen Vögel mit ihren mehr als drei Metern Spannweite aus nächster Nähe dabei beobachten wie sie in der Thermik emporsegelten und waren zutiefst fasziniert. Von allen Tierbegegnungen auf unserer Reise war dies sicherlich eines der  eindrucksvollsten. Wir erkundeten ein wenig die Schlucht und gaben uns dem Schauspiel gleich noch einen weiteren Morgen hin, bevor es dann weiter durch einsame Hochebenen in Richtung Cusco ging. Aufgrund des Deutschlandspiels erreichten wir Cusco erst spät am Abend und dazu noch mit einer schwächer werdenden Bremse. Am nächsten Vormittag offenbarte sich eine kleine Katastrophe – auf den rauen Pisten in den Bergen hatten wir unbemerkt einen Bremsbelag verloren und in der Folge hatte sich die Bremsscheibe quasi aufgelöst. Der Bremssattel war ebenfalls schwer mitgenommen und wir rechneten mit dem Schlimmsten.

Während wir uns Cusco anschauten und die zahllosen Artesanias und deren Verkauf an arglose Touristen bewunderten (es ist immer alles aus Alpaka und handgemacht, natürlich) leistete unser Mechniker großartiges und schon nach zwei Nächten war der Bremach wieder fahrbereit. Mit einer neuen Bremsscheibe, eigens aus Lima herangeflogenen Bremsklötzen und einem Instand gestellten Bremssattel ging die Probefahrt über 5000 Höhenmeter nach Hidroelectrica, von wo aus wir nach Machu Picchu wanderten. Dank Bigi und Flos Tipp, alles auf einen Tag zu reduzieren, wanderten wir morgens um vier entlang der Bahngleise los nach Aguas Calientes und fuhren von dort mit dem Bus zu den Ruinen. Während die Gemäuer – nicht überraschend – gut erhalten bzw. wiederaufgebaut und architektonisch ganz schön waren, war es wirklich  die Lage der Ruinen, die uns in Staunen versetzte. Hoch oben auf dem Berg, mit Blick über Urwald, Rio Urumba und hohe Berge gibt Machu Picchu seinen besonderen, unwiderstehlichen Charme. Die geheimnisvolle Atmosphäre, die es hier geben soll, fanden wir nicht, jedoch wissen wir nun, dass hier weder Herrscher thronten noch blutige Rituale stattfanden. Lange hielt uns nichts bei den Besuchermassen, das Eintreffen des Zuges aus Cusco gegen 10.30Uhr verstopfte die Gassen vollends und wir flüchteten ins Tal, um wenigstens einige Minuten des laufenden Fußballspieles mitzubekommen. Trotz großen Andrangs, einem Treiben, das mit Peru nicht viel zu tun hat und einem fast schon titanischen Hype um diese Ruine sind wir froh, diesen (ziemlich teuren) Ausflug gemacht zu haben. Die spezielle Lage der Stätte und das Erlebnis, Massentourismus in Peru sehen zu können, waren es wert. Und wir haben mit Tikal in Guatemala und Machu Picchu die einzigen beiden Orte der Welt gesehen, die sowohl wegen ihrer Natur als auch wegen ihres Kulturgutes unter dem Schutz der UNESCO stehen.

Auf dem Rückweg nach Cusco stoppten wir bei den Salinen von Maras, wo eine salzhaltige Quelle schon seit Ewigkeiten ein Salinenfeld speist. Bereits vor den Inkas wurde hier Salz abgebaut und noch heute wird das weiße Gold von hier zu Feinschmecker- und Heilzwecken um die Welt transportiert. Die unwirkliche Lage und die Farben zogen uns in ihren Bann und es war ein ganz besonders unerwartetes und tolles Erlebnis völlig frei auf den schmalen Mauern zwischen den Becken umherwandern zu dürfen. Zurück in Cusco reiste Joscha wieder ab, um sich daheim das 7:1 gegen Brasilien anschauen zu können. Wir genießen seither den ruhig gelegenen Campingplatz zusammen mit überraschend vielen anderen Overlandern (einige von ihnen alte Bekannte), die schöne Stadt zu unseren Füßen und sind mal ein paar Tage richtig faul.

Hier gibt es die Privatfotos der letzten Wochen.

3 Thoughts on “Von den Dünen zu den Inkas

  1. Alexander Ucke und Cordula v. Mengersen on Dienstag, der 22. Juli 2014 at 13:55 said:

    Hallo oder auch Hola!
    Es ist ein Erlebnis, aus sicherem Sessel Euch zu folgen. Wir sind schon sehr neugierig, wie’s weiter geht, durch den Norden Chiles oder den Nordwesten Argentiniens? Oder hin und her? Wohl kaum! Na ja, und dann sind wir gespannt auf die vielen Stationen in diesen beiden Ländern. Eure Reiseberichte sind klassisch und haben Klasse, Eure Begegnungen sind gewiss bereichernd für die ganze Familie, und die Fotos sind gelungen, aussagekräftig und lebendig – wir fühlen uns mitten drin. Über 5000 m Höhe mit den Kindern! Wow! Die beiden haben unseren besonderen Respekt. Aber auch die Eltern sind wirklich cool drauf. Weiter so und allen weiterhin stets gute Gesundheit!
    Herzlich grüßen
    Alexander und Cordula

  2. Lieber Maxi,
    viele herzliche Glückwünsche zu Deinem Geburtstag und weiterhin viel Freude und gutes Gelingen auf Eurer Reise!
    Alles Liebe, Deine Ulla

  3. Rolf Limbach on Montag, der 14. Juli 2014 at 13:09 said:

    Lieber Maxi,

    von uns herzliche Glückwünsche zum Geburtstag. Schön, nach einem Monat wieder etwas von Euch zu hören, so dass es Euch wohl gut geht.

    Kerstin und Rolf

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