Cordillera Blanca

Von Cajamarca folgten wir der wenig bereisten Route durchs Hochland entlang der stetig höher werdenden Berge nach Süden. Einige nette Städtchen und die freundlichen Bewohner der Gegend machten die Fahrt zu einem Genuss. In Huamachuco stieß Tanjas Schwester Natalie wieder zu uns und wir machten uns durch die Sierra auf zu den lang ersehnten Bergen der Cordillera Blanca. Zuvor gab es noch ein Stück Piste, über das uns unterschiedliche Informationen vorlagen – von unbefahrbar bis hin zu guter Straße. Letzteres stimmte, entlang bester Pisten und sogar einiger geteerter Teilstücke erreichten wir die Schlucht des Rio Santa. Spektakulär ging es über 2800m hinab in eine karge, heiße Wüstenlandschaft zwischen hohen Felswänden. Entlang des Rio Santa gewannen wir dann langsam wieder an Höhe, immer umgeben von gewaltigen Felswänden auf einer tollen Straße.


Kurz vor Caraz erspähten wir die ersten Gletscher und schon bald darauf waren wir an der Laguna Paron hautnah dran. Die spannende Piste führte zwischen über 800m hohen, senkrechten Granitwänden hinauf zur Lagune auf 4200m mit einer fantastischen Aussicht auf die umliegenden Berge. Eine Wanderung entlang des See eröffnete uns atemberaubende (dank der Höhe im wahrsten Sinne des Wortes) Aussichten auf die ersten andinen Eisriesen unserer Reise – die Nevados Huandoy, Piramide und Chacracaju, die Aiguilas de Caraz und der Artesonraju ließen trotz eines drohenden Föhnsturmes kurze Blicke auf ihre Gipfel zu. All dies über dem tiefen Blau des Sees, eine hervorragende Einstimmung auf die kommenden Wochen.

Noch tiefer in die Berge drangen wir dann im Llanganucotal vor. Auch hier führt eine tolle Piste von Yungay hinauf in die Berge, ganz nahe am höchsten Perus, dem Huascaran, vorbei. Die ganze Gegend ist von haushohen Felsklötzen übersät, eine letzte Spur der großen Naturkatastrophe von 1970. Am 31. Mai hat ein gewaltiges Erdbeben den Norden Perus erschüttert und Teile des Huascaran Sur zum Einsturz gebracht. Der resultierende Bergsturz brachte durch seine Energie einen Gletscher zum Schmelzen und es kam zu einer katastrophalen Lawine. In Yungay und der Umgebung starben über 20‘000 Menschen, bis hin zur Küste verloren ca. 80‘000 Menschen ihr Leben. Die Dörfer wurden an sichereren Orten wieder aufgebaut und heute erinnert nicht mehr viel an diese Katastrophe. Bleibt zu hoffen, dass keine Wiederholung folgt. Die prächtige Natur lässt kein Ungemach vermuten, zwischen himmelstürmenden Granitfluchten betten sich die Seen von Llanganuco türkisblau in die Landschaft. Wir genossen die imposanten Gipfel und erwanderten uns beeindruckende Aussichtspunkte. Ein Höhepunkt war die Laguna 69 am frühen Morgen. Hierzu schafften wir Zelt und Kinder per Esel zu einem fantastischen Zeltplatz auf einer Hochebene und wanderten morgens zum Gletschersee unter den steilen Wänden des Chacracaju. Wir genossen die wärmenden Sonnenstrahlen und die tolle Aussicht auf die Gipfel von Huandoy, Pisco, Chopicalqui, Huascaran und natürlich die unnahbaren Flanken des Chacracaju, einem der schwierigsten Gipfel der Anden. Ohne tierische Hilfe ging es dann wieder hinab ins Tal und hinein einen klaren Bach zur Erfrischung.

Vom Llanganucotal fuhren wir über zahllose Serpentinen und einen sehr hohen Pass hinüber auf die Ostseite der Berge und wurden mit tollen Ausblicken auf die hohen Berge belohnt. Die immer schlechter werdende Piste führte tief in die Täler der Amazonaszuflüsse hinab bevor es wieder steil in die Berge hinaufging. Mittlerweile hatte die Piste nicht einmal mehr die Qualität eines schlechten europäischen Waldweges, umso erstaunter waren wir, als plötzlich ein nagelneues, zweispuriges Asphaltband auftauchte. Die Passstraße über die Punta Olimpica war frisch erbaut und der höchste Punkt sogar untertunnelt. Wir versuchten erfolglos, die alte Passhöhe zu befahren, ein Erdrutsch verhinderte ein erfolgreiches Durchkommen. Diese Runde durch die Cordillera Blanca war eine der bis dato spektakulärsten Bergstraßen unserer Reise und jede Anstrengung Wert.

Oberhalb von Huaraz fanden wir einen schönen Platz und Robert, Carla und ich genossen die Ruhe und die Berge während Tanja und Natalie für zwei Tage ins Ishincatal wanderten. Nachdem die beiden wieder zurück waren, erledigten wir einiges in Huaraz und genossen den großen Markt, gute Restaurants und den internationalen Flair der berühmtesten Bergsteigerstadt Perus. Hier trennten sich schließlich Natalies und unsere Wege (schön war’s zusammen!) und wir fuhren weiterer sportlicher Betätigung entgegen – das Klettergebiet Hatun Machay in der Cordillera Negra versprach auf dem Papier viel Gutes. Wir konnten endlich unsere Kletterausrüstung ausgraben und uns die Finger langziehen. Auf 4300m Höhe liegt eine endlose Anzahl von bis zu 30m hohen Felsklötzen verstreut, die bestens abgesicherte Sportklettereien an einem traumhaft guten Fels bieten. Zu allem Überfluss gibt es eine schöne Hütte mit sehr netten Leuten. Allerdings hatten wir auch die bisher kältesten Nächte, morgens war alles gefroren und wir freuten uns über die wärmenden Sonnenstrahlen. Die tolle Kletterei und die Aussicht bis hin zum Pazifik entschädigten jedoch für die nächtliche Kälte.

Mit dicken Armen und bestens akklimatisiert fuhren wir entlang großer Puya Raimondis, welche eine der größten Blüten der Welt besitzen, ein letztes Mal in die Höhen der Cordillera Blanca. Wir hatten eine Nebenstrecke für den weiteren Weg nach Süden gewählt und ahnten nicht, was uns da erwarten würde. Eine einsame Piste führte erst über einen hohen Pass, danach durch eine unwirkliche Gebirgslandschaft entlang wilder Gletscher, kleiner Bergeseen und surrealistischer Felsformationen. Die ganze Strecke führte zwischen 4700m und 4900m dem Hauptkamm entlang und hinter jeder Kurve warteten neue, grandiose Ausblicke – von den 6000ern der Cordillera Blanca über die endlose Weite der Selva bis hin zu den wilden Zacken der Cordillera Huayhuash. Wir waren völlig überwältigt und sogar Robert und Carla klebten fasziniert an den Fenstern und waren von diesem Schauspiel gefesselt. Die Cordillera Blanca hat uns zum Abschied ein ganz besonderes Erlebnis ermöglicht –tief beeindruckt lassen wir die erste hohe Andenkette hinter uns und sind gespannt, was uns an den nächste Zielen erwarten wird.

Privatbilder von unserer Zeit in der Cordillera Blanca findet ihr hier.

2 Thoughts on “Cordillera Blanca

  1. Larissa und Christoph on Dienstag, der 17. Juni 2014 at 13:29 said:

    Na, konntet ihr die Standheizung passend umprogrammieren mit dem Kabel, das wir euch weitergeleitet haben? Hoffentlich!

    • Wie geplant – wir können die Standheizung nun mit dem Laptop auf allen gestesteten Höhen (bisher 4300m) starten und betreiben. Leider merkt sich das Steuergerät die angepassten Werte nicht, so dass wir jedes Mal in der Höhe den Computer brauchen. Aber es gibt Schlimmeres.
      Was lernen wir daraus – nie wieder Webasto sondern lieber Eberspächer mit werkseitigem Höhenkit.

      Grüße, Max

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