Das Bergland von Chiapas

Da wir uns überall etwas mehr Zeit ließen als gedacht, kamen wir erst später nach San Cristobal de las Casas, der interessantesten Stadt in Chiapas. San Cristobal liegt in einem Hochtal auf über 2000m und die Straße von Tuxtla steigt erst langsam, dann aber doch stetig empor, bis man zuletzt auf die flache Gegend um Tuxtla und sogar die Wolken hinunterschaut. Die Vegetation verändert sich währenddessen von Palmen und tropischer Vegetation weg hin zu Wiesen und Kiefernwäldern und nachts wird es wieder richtig kalt. Durch die Lage hoch oben in den Bergen hatte San Cristobal schon immer eine besondere Rolle. Es war die erste Stadt, die die Spanier erbauten, um sich gegen die Mayas durchzusetzen, da das Hochland von Chiapas einer ihrer letzten Rückzugsorte war. Später wurde die Stadt ein strategischer Knotenpunkt, um Mexiko gegen Guatemala abzugrenzen und in der jüngeren Geschichte war San Cristobal das Zentrum der Zapatisten. Diese lebhafte Geschichte hat zu einer lebendigen, kosmopolitischen Stadt geführt, die wir so nicht erwartet hätten. Es gibt viele kleine Cafés, schöne Läden und ein internationales Publikum. Im Hochland leben viele traditionell gekleidete Indigene, die ihre Kultur bewahren. In der Stadt bieten sie ihre Produkte auf der Straße vor den Boutiquen internationaler Kleidermarken an und auf den Märkten kann man sich endlos aufhalten.


Viele Artikel, die auf der Straße angeboten werden, sind handgemacht und stammen aus der Umgebung. Auffallend ist, dass nur Frauen und leider auch viele Kinder ins Verkaufsgeschäft eingebunden sind – die Männer sitzen anscheinend daheim und hauen das hart verdiente Geld der Frauen auf den Kopf. Hier gab es auch erstmals seit wir in Mexiko sind viele bettelnde Kinder auf der Straße und manch eine Verkäuferin war anhänglicher, als wir das bisher kennengelernt hatten. Dies tat der guten Stimmung aber keinen Abbruch, zu lebendig und locker war die Atmosphäre in den Straßen.

Um etwas mehr von den Indios zu sehen fuhren wir mit einem Colectivo (Sammeltaxi) nach San Juan Chamula, einer kleinen Stadt in der Nähe. Leider kamen schon viele andere Touristen vor uns auf diese Idee und das merkte man dem Ort an: es gibt die üblichen Verkaufsstände und leider ziemlich penetrant bettelnde Kinder. Wir waren schon etwas enttäuscht über unser Ausflugsziel, doch der Besuch der Kirche hat alles wettgemacht. Die von den Spaniern erbaute Kirche ist mit indigenen Bräuchen gefüllt: es gibt keine Stühle und Bänke, gefühlte 10‘000 Kerzen brennen und der ganze Boden ist mit Kiefernnadel bedeckt. Verteilt über den ganzen Raum sitzen Familien und errichten kleine Altäre mit allerlei Opfergaben und unzähligen dünnen Kerzen, die sie mit warmem Wachs direkt auf den Boden stellen. Dazwischen gibt es Hühner und Kinder rennen herum und rutschen auf den Nadeln durch die Kirche. Während wir völlig überwältigt dem Treiben zuschauten kam eine Prozession mit Gitarren und Pfeifen in die Kirche und der ganze Raum füllte sich mit Weihrauchduft. Die Stimmung war unglaublich ergreifend und unheimlich festlich. Draußen wurden währenddessen eifrig Böller gezündet, um die bösen Geister zu vertreiben. Carla wollte gar nicht mehr aus der Kirche raus und wir kamen mit Einheimischen ins Gespräch – am Ende waren wir dann doch froh über unseren kleinen Ausflug.

Sehr zur Freude von Carla und Robert unternahm ich mit ihnen einen weiteren kleinen Ausflug mit Taxi und Colectivo zu den Grutas Rancho Nuevo, einem extensiven Höhlensystem, das zum Teil besichtigt werden kann. Im 400m langen und sehr hohen Eingangsbereich hatten wir einiges an Spaß, das Highlight waren aber die Riesenrutschen vor der Höhle, hier tobten sich die beiden richtig aus und rannten einige Male den weiten Weg den Berg hoch, um nochmal zu rutschen.

Nach den erlebnisreichen Tagen in San Cristobal fuhren wir zusammen mit der Familie von Andreas und Carin, die mittlerweile zu uns gestoßen waren, weiter. Auf dem Weg nach Agua Azul durchs wilde Zapatistengebiet bekamen wir von einem überholenden Fahrzeug nicht nur Daumen hoch gezeigt, sondern uns wurde sogar ein eiskaltes Bier gereicht – was für eine Überraschung, gelten die Menschen hier gegenüber Reisenden doch als eher zurückhaltend. Die Cascades de Agua Azul sind große Wasserfälle mitten im Dschungel, die über breite Kaskaden in türkisblaue Becken fließen. Das anliegende Dorf hat sich voll dem Tourismus verschrieben und der Fluss ist von Verkaufsständen gesäumt. Langsam fragten wir uns, wer das denn alles kaufen soll, aber es tauchten dann doch auch tatsächlich einige Tourbusse auf. Dank der super Lage des Badestrandes hatten wir viel Spaß mit einer Slackline vor perfekten Hintergrund und den vielen Sprüngen ins kühle Nass.


Am nächsten Tag zogen wir weiter zum nächsten Wasserfall, Misol-Ha. Dieser liegt inmitten des wundervoll dichten Dschungels und es gab viele tiefe Gumpen zum Baden und reinspringen. Zudem konnte man auch unter dem hohen Wasserfall durchlaufen. Ein ganzer Tag Wasserspaß im Dschungel machte uns fit für den anstehenden Ruinenmarathon, der in Palenque seinen Anfang nahm.

Hier gibt es Privatbilder von unserer Zeit in San Christobal für Familie, Freunde und Bekannte (wer das Passwort noch nicht hat, bitte bei uns per Email erfragen).

One Thought on “Das Bergland von Chiapas

  1. Lieber Max und unbekannterweise rocata,

    vor 30 Jahren habe ich den USA- und Mexiko-Teil eurer Reise gemacht. Allerdings allein und per Autostop und mit öffentlichen Bussen. Beim San-Cristobal-Artikel wurde ich jetzt ganz nostalgisch, die Stimmung, die Ihr beschreibt weckt Erinnerungen. Ich bin mir damals dort schon so vorgekommen wie in Tübingen, mit Studenten-Cafes und Bioläden. Und San Juan Chamula war auch vor 30 Jahren schon das Ausflugsziel der Wahl, wenn man eine Kirche mit indianischen Heiligenbildern sehen wollte.

    Viel Spass noch und eine sichere Weiterreise.

    Christof

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