Baja Erfahrungen

Über Mexiko hatten wir so vieles gehört: von den meisten US Amerikanern nur Warnungen und von vielen Reisenden höchstes Lob. Wir waren gespannt, was uns erwarten würde. Anfangs waren wir noch sehr zurückhaltend, aber unsere Schüchternheit legte sich nach ein paar Tagen. Alle sind freundlich, hilfsbereit, interessiert und dabei überhaupt nicht aufdringlich. Wegen unseres Fahrzeugs werden wir viel seltener befragt als in den USA und die Mexikaner stellen auch ganz andere Fragen: Wo kommen wir her? Seit wann sind wir unterwegs? Wie gefällt es uns hier und wo wollen wir noch hin? Sie sind mehr an uns und unserer Reise als an dem Bremach interessiert und geben gerne Tipps, was man nicht verpassen sollte. Selbst Strandverkäufer geben sich mit einem freundlichen ‚No, gracias‘ zufrieden und ziehen fröhlich weiter.

Unser Reisetempo hat sich in Mexiko deutlich verlangsamt. Einerseits dürfen wir ohne Visum doppelt so lange bleiben wie in den USA und haben weniger Zeitdruck, andererseits wird die Geschwindigkeit der Autofahrer durch ein sehr effektives und äußerst weit verbreitetes Netz von Topes gebremst. Topes sind kleine Asphalt- oder Schotterhügel auf den Straßen, die oft – aber nicht immer – angekündigt werden. Wer das Tempo seines Fahrzeugs nicht jedes Mal auf Schrittgeschwindigkeit verlangsamt, wenn er etwas erspäht, das quer über der Straße geht, hat sicher früher oder später einen Achsbruch. Die Mexikaner umfahren die Topes, wenn möglich, auf Schotterpisten, die in den Orten gleich neben der Asphaltstraße entlangführen. Überhaupt eröffnen die Mexikaner gerne gleich eine neue Route direkt neben der Alten, wenn diese zu schlecht geworden ist. Das ergibt ein sehr lustiges Straßennetz, vor allem auf abgelegenen Pisten, und es ist ratsam immer den neuesten Reifespuren zu folgen. Die Geschwindigkeit auf den Pisten wird von deren Zustand bestimmt, welcher sich innerhalb kürzester Entfernungen oder nach einem Regenguss schnell ändern kann. Auf den Asphaltstraßen gibt es oft Schilder mit Geschwindigkeitsangaben, welche aber anscheinend nicht für Mexikaner gelten- die sind wirklich nur durch Topes zu bremsen. Die Begrenzung der Geschwindigkeit, z.B. vor einem Ort oder einer Baustelle, wird nicht wieder aufgehoben, so dass es im eigenen Ermessen liegt, wann man wieder schneller fährt. Touristen ist vom Überholen langsamer Fahrzeuge abzuraten, lieber betrachtet man ganz gelassen die abenteuerlichen Überholmanöver der Einheimischen. Die meisten Bewohner Bajas scheinen einen Pickup zu besitzen und wir haben oft gestaunt, wie viele Möbel und sonstige Gegenstände darauf befestigt werden können. Überall, selbst an den abgelegensten Pisten, findet man sogenannte Llanteras (Reifenflickereien), vor denen Unmengen an verschiedenen Reifen für Pannenfahrzeuge zur Verfügung stehen. Wir mussten davon glücklicherweise nie Gebrauch machen, aber sie scheinen von den Einheimischen oft benötigt zu werden.

Da große Teile Bajas nur selten Regen sehen, ist der Trinkwasservorrat begrenzt. Bei meiner ersten Dusche dachte ich mir, dass ich ja unglaublich geschwitzt haben muss, bis mir klar wurde, dass das Wasser an sich schon salzig schmeckt. Während wir in den USA immer an Campingplätzen auffüllen konnten, haben wir hier oft unseren Wasserfilter im Einsatz oder kaufen sogenanntes ‚purified water‘, welches aus Meerwasser gewonnen wird und selbst in kleineren Orten in speziellen Wasserläden angeboten wird. Aus Wasserhähnen und Duschen kommt oft nur wenig Wasser auf einmal raus, es wird hier wirklich sehr sparsam damit umgegangen. Um die Abwassersysteme nicht zu überlasten, muss Klopapier immer in Mülleimern neben der Toilette entsorgt werden (gar nicht so einfach, die Gewohnheit abzulegen es ins Klo zu werfen…). Den Wert von Wasser haben wir in den letzten Wochen wirklich kennen und schätzen gelernt! Wie selbstverständlich wir das gute und reichlich vorhandene Wasser doch in Ländern sehen, wo es nicht so begrenzt zur Verfügung steht.

Was das Wetter angeht, hatten wir bisher großes Glück. Es gab zwar reichlich Regengüsse, die wir in näherer Entfernung sahen, wir selbst wurden aber nur zweimal kurz von den Ausläufern des großen Sturms getroffen, der dann doch abgedreht hat. Wie gut, dass wir unsere Route nach der Hurricane Saison geplant haben und uns jetzt nicht auf dem Festland befinden. Meistens genießen wir auf Baja strahlend blauen Himmel und es ist heiß und teilweise sehr feucht. Selbst in der Nacht kühlt es nur wenig ab, vor allem in Meeresnähe. Für das Schwimmen und Schnorcheln ist es aber ideal: egal wie lange man im Wasser bleibt, kalt wird einem dabei nie. Und einen Sonnbrand haben wir dank der optimalen Versorgung mit COOLA Produkten von meinem Cousin Chris noch nicht bekommen.

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Am Strand immer mit dabei: COOLA

Und dann ab ins Wasser!

Und dann ab ins Wasser!

Als Europäer sind wir mit nur wenigen wilden und gefährlichen Tieren in der Natur aufgewachsen, auf unserer Reise mussten wir erst auf Bären und Pumas achten und nun auf die Tierwelt im Wasser: wer seine Füße an seichten Sandstränden nicht vorsichtig unter dem Sand voran schiebt, kann von einem fiesen Schwanzhieb der Stachelrochen erwischt werden. Max hat das schmerzhaft erfahren müssen, aber zum Glück haben wir gleich fachkundigen Rat bekommen, dass man die Stelle in so heißem Wasser wie möglich baden soll und alles nach 2 Stunden wieder vorbei ist. Hin und wieder gibt es auch gemeine Quallen und an Land Skorpione und Klapperschlangen, die sind allerdings so scheu, dass man sie nur tot auf der Straße sieht.

Max lindert die Folgen der Begenung mit einer Stachelroche

Max lindert die Folgen der Begenung mit einer Stachelroche

Das Meer hat aber auch viele kulinarische Köstlichkeiten zu bieten und wir haben uns mittags oft Tacos mit Fisch oder Garnelen geholt und mit den leckeren scharfen Salsas genossen. Das Essen an den Straßenständen ist fein und nicht so teuer und außerdem macht es natürlich riesig Spaß sich in die neue Kultur hineinzuessen. Unsere Essenseinkäufe gestalten sich auf Baja ganz anders, da die Supermärkte so klein sind und wenig Auswahl haben. Die Einkaufswägen sind rostig, die Gänge dunkel und oft von einem Ventilator oder einem Haufen Dreck mit Besen daneben versperrt. Manchmal muss man einen Kühlschrank halb leer räumen, um zu sehen, was alles im Angebot ist. Beim Obst und Gemüse entsteht der Eindruck, dass hier die B-Ware verkauft wird und alle perfekt aussehenden Lebensmittel in die reichen Länder exportiert werden. Das heißt nicht, dass Obst und Gemüse schlecht sind, aber eine schnelle Schimmel-Überprüfung schadet nicht.

Unterwegs haben wir nur wenige andere Reisende getroffen, dafür waren die Begegnungen viel intensiver. Und immer waren es Amerikaner, die in Mexiko einen wundervollen Platz für sich entdeckt haben von dem Land schwärmen, in welches sich viele ihrer Landsleute nicht einmal im Panzer herwagen würden. In Bahia des Los Angeles hatten wir eine wundervolle Zeit mit Sylvia und Wolf aus San Diego, die am Strand im Auto gecampt haben und so viel mit uns geteilt haben. Angefangen hat es mit einer Solardusche (wir hatten dafür kein Wasser), weiter ging‘s mit diversen Leckereien zu Essen, Spielzeit mit den Kindern, einem gemeinsamen UNO Abend, vielen schönen Gesprächen und noch mehr Duschen. Und zu guter Letzt haben sie uns noch ein Geschenk gemacht, dass mehr Wert ist als Gold: einen großen Kanister voller Trinkwasser. Anschließend haben wir in Punta de San Francisquito den Kalifornier William kennengelernt, der mit seinem Flugzeug auf der Piste neben unserem Palapa gelandet ist. Die Kinder durften in sein Flugzeug (Robert konnte den Rest des Tages von nichts anderem mehr sprechen) und abends kam er mit einer Flasche feinem Zinnfandel Spätlese vorbei. In Puerto Adolfo Lopez Mateos (was für ein Ortsname) haben wir nach dem Mittagessen Tracy und Keith getroffen, die uns mit reichlich Tipps versorgt haben und uns zu einem Haus geführt haben, wo wir frischen Fisch von einem Fischer kaufen konnten. Später waren wir auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz und trafen die beiden zufällig wieder. Tracy hat uns angeboten auf ihrem Grundstück zu übernachten, wo gerade der Grundstein für das gelegt wird, was in ein paar Jahren ein Hotel mit Restaurant sein soll. Das haben wir natürlich dankend angenommen. In Todos Santos haben wir uns mit Elizabeth und Tim getroffen, denen wir am Anfang unserer Baja Reise vor einem Supermarkt über den Weg gelaufen sind. Sie gaben uns damals ihre Telefonnummer und 3 Wochen später haben wir so einen tollen Tag mit ihnen und ihren zwei Kindern verbracht, dass wir nach dem gemeinsamen Abendessen im Bremach vor der Haustür gecampt haben. Am nächsten Morgen habe ich Unmengen an deutschen Pfannkuchen für uns alle gemacht – ein kleines Dankeschön für die Gastfreundschaft.

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Carla mit Sylvia und Wolf

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Unsere Kinder toben am Strand mit Elizabeth und Tim’s Kindern James und Sammy

An dieser Stelle möchten wir uns bei allen bedanken, die Kommentare auf unserer Seite hinterlassen. Wir freuen uns immer riesig über Feedback, Grüße und sonstige Lebenszeichen von euch! Gerne mehr davon :-)

3 Thoughts on “Baja Erfahrungen

  1. Walter Schmid on Montag, der 14. Oktober 2013 at 14:49 said:

    Hallo Max und Familie
    Vielen Dank für die sehr interessanten Berichte. Es ist 35 Jahre her, als wir durch die USA, Mexiko, Guatemala und Belize reisten. Es weckt viele Erinnerungen. Ich wünsch euch noch viele schöne Erlebnisse.
    Herzliche Grüsse aus dem Hasli
    Walter

  2. Cooles Bild von Carla auf der Luftmatratze! Will sie jetzt auch so eine? Lg aus dem herbstlichen Karlsruhe Kerstin
    Ps am Kaiserstuhls wird gerade fleißig geherbstet und Wein gemacht.

  3. Habt Ihr inzwischen auch ein Surfbrett auf dem Dach? Ein schöner Bericht und weiterhin viel Spaß!

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